Schiffbrücken

[655] Schiffbrücken und schwimmende Brücken, jene zu den beweglichen Brücken gerechneten Ueberführungen eines Verkehrsweges über ein Gewässer, bei welchen der Ueberbau nicht auf feste, sondern auf schwimmende Stützen gelagert ist.

Je nach der Bedeutung und dem Zwecke der Brücke werden zu den schwimmenden Stützen bloß Fässer, Flöße oder Blechzylinder [6], hölzerne oder eiserne Brückenschiffe (Pontons) benutzt. Die älteren Schiffbrücken sind stets nur aus Holz hergestellt worden, bei den neueren Ausführungen [3]–[5] finden wir zumeist eiserne Schiffe. Letztere sind vollkommen geschlossene Hohlkörper aus Eisenblech, die durch Querwände in wasserdichte Einzelräume zerlegt werden. Die Formgebung der Brückenschiffe muß derart sein, daß die entsprechende Stabilität gesichert ist und ein möglichst geringer Aufstau des Wassers stattfindet. Der Ueberbau besteht bei den meist kleine Lichtweiten besitzenden älteren Schiffbrücken [1] aus einfachen hölzernen Streckbalken, auf denen ein einfacher oder doppelter Bohlenbelag ruht. Der Ueberbau geht nicht kontinuierlich durch, sondern die Brücke ist in einzelne Elemente oder Joche geteilt. Jedes Joch wird von zwei, zuweilen auch von drei Schiffen getragen. Die Streckbalken eines jeden Joches sind mit den sie tragenden Schiffen fest verbunden. Am Zusammenstoß zweier Joche ist zwischen[655] denselben eine solche Verbindung anzubringen, welche bei entsprechender Elastizität die nötige Fertigkeit besitzt, um bei ungleicher Belastung der Joche einen Druck zu übertragen, dabei aber auch, besonders bei den Durchlaßgliedern der Brücke, ein rasches Oeffnen und Schließen gestattet. Man findet Keilverschlüsse (Schiffbrücke bei Spandau) oder eine Kupplung durch kurze Ueberlegbalken, sogenannte Röddelbalken, die in eisernen Bügeln mittels Druckschrauben oder Keilen niedergepreßt werden (Schiffbrücke bei Maxau), in Verbindung mit Vorsteckriegeln oder Stellschrauben (Pontonbrücke über die Düna in Riga) angewendet. Bei den neueren ausgeführten Schiffbrücken hat man die enge Stellung der Schiffe verlassen und den Ueberbau aus eisernen Fachwerksträgern gebildet [3], [5]. Die Brückenschiffe werden stromaufwärts verankert, aber auch stromabwärts ist, um das Treiben durch Wind zu verhindern, jedes Joch an mindestens einen Anker zu hängen. Als horizontaler Kreuzverband zwischen den einzelnen Schiffen eines Joches dienen Kreuzspannketten mit Spannvorrichtungen. Um Schiffe durchzulassen, werden ein oder mehrere Joche zum Ausfahren eingerichtet. Das Oeffnen des Durchlasses geschieht, indem man nach Lösung der Verbindung mit den anstoßenden Brückenjochen das auszufahrende Joch durch Abwinden der Verankerungskette von der Strömung so weit abwärts treiben läßt, bis es mittels des Steuers unterhalb der Brücke um das erforderliche Maß seitwärts gelenkt werden kann. Besondere Einrichtungen erheischen die Brückenanfahrten, um die Neigung der Bahn den verschiedenen Wasserständen entsprechend zu regeln. Die einfachste Anordnung begeht in einer Plattform, die mit ihren Enden drehbar am Ufer und auf dem ersten Schiff und auf einer Seite auch horizontal verschieblich gelagert ist.


Literatur; [1] Dietz, W., Bewegliche Brücken, Handbuch der Ingen.-Wissensch., Bd. 2, Brückenbau, 4. Abt., Leipzig 1907. – [2] Dietz; W., Bewegliche Brücken, Fortschritte der Ingen.-Wissensch., Bd. 2, Heft 5, Leipzig 1897. – [3] Prahmbrücke bei Küstrin, Zentralbl. d. Bauverw. 1885, S. 470. – [4] Pontonbrücke über den Hooghly in Kalkutta, Engineering, 1872, S. 338. – [5] Pontonbrücke über die Düna bei Riga, Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1895, S. 39. – [6] Schwimmende Fußgängerbrücke über die Einfahrt zum Mosel-Sicherheitshafen bei Koblenz, Zeitschr. f. Bauwesen 1888, S. 497. – [7] Kosten von Schiffbrücken, Zentralbl. d. Bauverw. 1893, S. 83. – [8] Schulz und Fülscher, Der Kaiser-Wilhelm-Kanal, 1898; Ponton- und Prahmdrehbrücke.

Melan.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 655-656.
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