Durchlässe

[170] Durchlässe, auch Schleusen, Dohlen oder Drummen genannt, haben den Zweck, kleinere Wasserläufe durch die Erdkörper von Straßen oder Eisenbahnen zu führen. Leitet ein Durchlaß an einem Niveauübergang das Wasser des Bahngrabens unter der Straßenrampe hindurch, so heißt er Seitendurchlaß oder Rampenkanal. Die Achse des Durchlasses kann mit der Achse der betreffenden Straße oder Eisenbahn einen rechten oder einen davon verschiedenen Winkel einschließen; im ersteren Falle entsteht ein gerader, im letzteren ein schiefer Durchlaß. Das Profil eines Durchlasses muß der größten durchzuführenden Wassermenge entsprechen [1], [2]. (S.a. Durchflußprofil.)

Röhrendurchlässe werden nur zur Durchführung verhältnismäßig geringer Wassermengen verwendet. Man benutzt für dieselben: 1. Hölzerne Röhren, kastenartig aus Bohlen zusammengefügt, nur in holzreichen Gegenden und für untergeordnete Wege (Waldwege) in Verwendung. 2. Steinzeugröhren, am besten die scharf gebrannten, innen und außen glasierten Röhren, die für städtische Entwässerungskanäle genommen werden; Dichtung an den Stößen wie bei letzteren. Man benutzt aber auch Steinzeugröhren, die für den in Rede stehenden Zweck besonders geformt hergestellt werden [3]. 3. Zementröhren und Monierröhren, mit kreisrundem und eiförmigem [170] Profil, wie sie für anderweitige Wasserzu- und -abteilungen üblich find; Dichtung an den Stößen wie bei letzteren [4]. 4. Zementbetonröhren, die an Ort und Stelle (in geeignet vorbereiteter Baugrube und zwischen Formen) ausgeführt werden [6]. 5. Gußeiserne Muffenröhren, wie sie für die Zwecke städtischer Wasserleitungen im Gebrauch find; Dichtung an den Stößen wie bei diesen (s. Fig. 1 und 1a) [7]. Alle genannten Rohrgattungen können auf genügend festem Boden unmittelbar gelagert werden; ist derselbe etwas nachgiebig, so ramme und pflastere man ihn vorher ab; bei noch lockererem Boden wende man Fundamente aus Steinpackung, Holzschwellen, Mauerwerk oder Beton an.

Gemauerte Durchlässe. Je nach der Art der Abdeckung unterscheidet man: 1. Offene oder Schienendurchlässe (Fig. 2), die bloß in Eisenbahndämmen und in diesen nur dann vorkommen, wenn es an Konstruktionshöhe fehlt, um den Durchlaß mit Steinplatten überdecken oder überwölben zu können. Bis zu lichten Weiten von 80 cm werden die Eisenbahnschienen frei von Wange zu Wange gelegt; bei größeren lichten Weiten unterstützt man sie durch Holzschwellen; übersteigt die lichte Weite das Maß von 1,5 m, so kann man zwei, selbst drei offene Durchlässe mit gemeinschaftlichen Mittelwangen nebeneinander legen, wodurch zwei- und dreifache Durchlässe, auch Zwillings- und Drillingsdurchlässe genannt, entstehen. Zwischen den Schienen wird stets ein Bohlenbelag angeordnet.

2. Plattendurchlässe, gedeckelte Durchlässe oder Deckeldohlen, bei denen über die das Gerinne seitlich begrenzenden Wangen Steinplatten als Abdeckung verlegt werden (Fig. 3 und 3a). In neuerer Zeit werden statt der Steinplatten auch Belageisen angewendet. Bis zu 80 cm lichter Weite sind meist geeignete Platten zu beschaffen; bei größeren lichten Weiten überkragt man wohl auch die oberen Steinscharen der Wangen, um Platten von nicht ganz ausreichender Länge noch verwenden zu können; für lichte Weiten von über Im kann man auch hier zweifache und dreifache Plattendurchlässe (Zwillings- und Drillingsdurchlässe) zur Ausführung bringen (Fig. 4).

3. Ueberwölbte Durchlässe entstehen, wenn das durch die gemauerten Widerlager begrenzte Gerinne durch ein Tonnengewölbe überdeckt wird. Ist genügende Konstruktionshöhe[171] vorhanden, so wählt man meist den Halbkreis als Gewölbeform (Fig. 5); sonst kann man Stichbogengewölbe von nicht zu geringer Stichhöhe (1/4–1/3) zur Anwendung bringen (Fig. 6). Man hat aber auch den Parabelbogen oder einen diesem nachgebildeten Korbbogen dem Durchlaßprofil zugrunde gelegt, in welchem Falle das Gewölbe bis auf den Baugrund fortgesetzt wird, eigentliche Widerlager sonach fehlen (Fig. 7).

4. Durchlässe aus vollen Gewölben (Fig. 8 und 9), die meist mit kreisförmigem Querschnitt ausgeführt werden; indes sind auch ovale und eiförmige Profile verwendet worden.

Bei neueren Ausführungen folgt die Durchlaßsohle dem Gefälle des Terrains; ist das letztere sehr bedeutend, so muß man durch Abtreppen der Fundamente, durch zahnförmiges Eingreifen der letzteren in den Baugrund u.s.w. das Abrutschen des ganzen Durchlasses verhüten. – In früherer Zeit hat man bei starker Neigung des Terrains das Sohlengefälle an einigen wenigen Punkten konzentriert und an diesen Abstürze oder Kaskaden angeordnet; dadurch entstehen Treppen- oder Kaskadendurchlässe, auch terrassierte Dohlen genannt; sie haben sich nicht bewährt und werden jetzt nicht mehr ausgeführt. – Die nach außen sichtbaren Teile eines Durchlasses, in denen er an beiden Enden seinen Abschluß findet, heißen seine Häupter. Man unterscheidet das obere Haupt oder den Einlauf und das untere Haupt oder den Auslauf. Die Häupter werden verschieden gestaltet: 1. Sie haben die einfachste Ausbildung, wenn man den Durchlaß durch die Böschungsebene des betreffenden Dammes abschließt (Fig. 7) [8]. 2. Man bildet das Haupt durch eine Stirnmauer, an die sich Flügelmauern (s.d.), eventuell auch Böschungskegel (s.d.) anschließen (Fig. 3–6, 8 und 9). 3. Wenn das Wasser aus Seitengräben, aus Terrainmulden u.s.w. in einen Durchlaß einzuführen ist, so wird am oberen Ende desselben ein Einlaufsschacht (Fallkessel oder Absturzschacht) angeordnet, in den zunächst das Wasser stürzt (Fig. 10) [9]–[14]; s.a. Durchflußprofil.


Literatur: [1] Zeitschr. d. österr. Ingen.- u. Arch.-Vereins 1868, S. 83. – [2] Civilingenieur 1866, S. 135. – [3] Organ f. d. Fortschr. des Eisenbahnw., 9. Suppl.-Bd., S. 87. – [4] Zeitschr. für Bauwesen 1859, S. 417. – [5] Deutsche Bauztg 1871, S. 284. – [6] Sitzungsprotokolle des Vereins für Baukunde in Stuttgart, 1874, 1. Halbj., Heft 1, S. 26. – [7] Zeitschr. d. österr. Ingen.- u. Arch.-Vereins 1875, S. 282. – [8] Zeitschr. f. Bauwesen 1894, S. 69. – [9] Schmitt, E., Der Erdkunstbau auf Straßen und Eisenbahnen, Teil 1: Futtermauern und Durchlässe, Leipzig 1871. – [10] Bauer, G., Regeln für den Bau der Durchlässe, München 1871. – [11] Heinzerling, F., Die Brücken der Gegenwart, Abt. 2, Heft 1: Durchlässe, Viadukte und kleine Brücken, Aachen 1861. – [12] Hänel, G.A., Konstruktionslehre für Ingenieure, Abt. 1, Stuttgart 1861. – [13] Henz, L., Normalbrücken und Durchlässe, Berlin 1869. – [14] Heinz, C., Beitr. z. Bau der Brücken, Durchlässe u. Futtermauern b. Eisenbahn., Berlin 1874.

Schmitt-Darmstadt.

Fig. 1., Fig. 1a.
Fig. 1., Fig. 1a.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3., Fig. 3a., Fig. 4.
Fig. 3., Fig. 3a., Fig. 4.
Fig. 5., Fig. 6.
Fig. 5., Fig. 6.
Fig. 7., Fig. 7a, Fig. 7b.
Fig. 7., Fig. 7a, Fig. 7b.
Fig. 8., Fig. 9.
Fig. 8., Fig. 9.
Fig. 10.
Fig. 10.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 3 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 170-172.
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170 | 171 | 172
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