Traß

[601] Traß, ein Bimssteintuff aus der Umgebung des Laacher Sees, besonders bei Plaidt, Brohl und Tönnisstein (hier Tuffstein) zwischen Bonn und Koblenz.

Von hellgraulichgelber Farbe besteht die erdige oder wenig feste, in dicken Bänken geschichtete, teils dichte, teils poröse, bis über 20 m mächtige Masse zumeist aus Bruchstücken von Bimsstein neben größeren und kleineren Brocken von Trachyt, Trachytbimsstein, Grauwacke und Tonschiefer, Sandstein, Quarzit, Kristallen von Sanidin, Augit, Hornblende, Glimmer u.s.w. Die Füllmasse besteht aus rundlichen schaumigen Glaskörnern von Bimssteinnatur. Meist ist er stark verwittert zu einer feinerdigen Substanz (amorpher Kieselsäure oder wasserhaltigem Silikat). Die gelben bis grauen, ziemlich seiten Tuffe liegen im Nettetal meist unter dem Wasserspiegel und werden als die technisch wertvollsten angesehen. Die oberen weichern Lagen sind weniger verwertbar (Berg- oder wilder Traß, im Nettetal Asche genannt). Für die Technik wichtig gilt der Gehalt an wasserhaltigen Silikaten, die äußerst seine Verteilung derselben und der Kieselsäure in dem feinmaschigen Gewebe des Bimssteins und der Gehalt an wasserhaltiger Kieselsäure, der eine leichte Verbindung mit Kalkhydrat begünstigt. Das Gestein klebt an der Zunge, schmilzt ziemlich leicht vor dem Lötrohr und enthält etwa 53–60% SiO2, 18–21% Al2O3, 3–5% Fe2O3, 1–3% CaO, 1–2% MgO, 3–5% K2O, 3–6% Na2O. Der Traß von Tönnisstein enthält: 51,43% SiO2, 17,36% Al2O3, 2,20% CaO, 2,82% MgO, 4,28% Na2O, 4,22% K2O, 3,26% Wasser unter 108° und 7,58% Wasser über 108°, 5,43° F2O3. Löslich in Salzsäure sind 40–70% der Masse. Das spez. Gew. beträgt etwa 1,2–2,0. In großen Mengen abgebaut, wird er in der Hauptsache gemahlen und mit Zement zur Mörtelbereitung, vornehmlich zu Wasserbauten, in ganz Mitteleuropa mit großem Erfolg angewendet. Ein geringer Teil wird zersägt und bearbeitet für Hochbauten. Druckfestigkeit 100–105 kg pro 1 qcm. Wasseraufnahme bis 25%. Die festen Trasse vom Brohltal erscheinen gleichwertig mit denen des Nettetales, soweit in ihnen dieselben chemischen Veränderungen an dem ursprünglichen Bimssteintuff unter dem Wasser vor sich gegangen sind. Die Trasse des Brohltales sind zumeist abgebaut.


Literatur: v. Dechen, Geogn. Führer zum Laacher See, S. 393, Bonn 1864; Chatoney und Rivot, Annales des mines, Paris 1856, Bd. 9, S. 629; Bruhns, W., Verhandl. naturhistor. Ver. preuß. Rheinlande, 1891, S. 302; Völzing, Der Traß des Brohltales, Jahrbuch der geol. Landesanstalt Berlin 1907, Bd. 28; Wolffram, H., Mitteilungen über Tuffstein, Traß u.s.w., Dies a. Lahn 1885; Ritzmann, F., Untersuchungen über Traß-, Kalk- und Sandmörtel, Heidelberg 1907; Hambloch, A., Was lehrt uns die Literatur über Traß, Leipzig 1908.

Leppla.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 601.
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