Angst

[526] Angst, das Gefühl der »Engigkeit« in der Brust-, bez. Herzgegend, tritt auf als Begleiterscheinung verschiedener Lungen- und Herzkrankheiten, bedingt durch den in der Atemnot zum Ausdruck kommenden Sauerstoffmangel des Organismus (Brustangst, Brustbeklemmung, anxietas pulmonalis). Die in die Herzgegend lokalisierte A. (Präkordialangst) bei dem Herzasthma (angina pectoris, Herzklemmen) ist eine Folge von Verkalkung der Kreuzadern des Herzens. Häufig beruht die A. auf nervöser Grundlage, ohne sonstige Organerkrankungen, z. B. bei der Neurasthenie, mit wechselnder Lokalisation (Herzgegend, Kopf, Bauch). Die Begleiterscheinungen der A. sind beschleunigter Herzschlag, gespannter und aussetzender Puls, Blässe und Kühle der Haut, unregelmäßige Atmung, unruhiges Hin- und Herlaufen etc. Die stärksten Grade der A. treten auf bei Melancholie, Sinnestäuschungen schreckhaften Inhalts im Verlaufe der verschiedensten Geisteskrankheiten (Delirium tremens, Paranoia, Epilepsie etc.) mit Neigung zum Selbstmord und zu wutartigem Zerstörungstrieb. Schwere Angstanfälle erfordern ärztliche Überwachung in Heilanstalten. Vgl. H. Laehr, Die A. (Berl. 1893.)

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 526.
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