Bewegungsempfindungen

[797] Bewegungsempfindungen, allgemein diejenigen Empfindungen, die mit den Bewegungen der Glieder (bez. Muskeln) unsers eignen Körpers verbunden sind, und auf Grund deren wir die Vorstellung der betreffenden Bewegung gewinnen. Es sind dies Tast- (Druck-) Empfindungen in den innern Organen (den Muskeln und Gelenken), die beim Sehenden so innig mit den Gesichtsbildern der betreffenden Bewegungen, beim Blinden mit den entsprechenden Wahrnehmungen des äußern Tastsinns verknüpft sind, daß sie, wenn sie (bei geschlossenem Auge oder bei Abwesenheit äußerer Tastwahrnehmungen) allein auftreten, doch die entsprechenden Vorstellungen erwecken und uns als selbständige Empfindungen von spezifischer Art kaum zum Bewußtsein kommen. Dessenungeachtet müssen die B. in den verschiedenen Körperteilen qualitative Unterschiede zeigen, da es sonst nicht möglich[797] wäre, das jeweilig bewegte Glied zu erkennen. Für die Bewegungen und Lagen des Gesamtkörpers dienen uns Empfindungen in den Bogengängen des Gehörlabyrinths als Kennzeichen. Als Grundlagen der Raumanschauung (s. d.) haben die B. am Augapfel eine besondere Wichtigkeit.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 797-798.
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