Fibel [2]

[535] Fibel (lat. Fibula), Haftel, metallene Spange zum Zuhefteln der Gewänder, ähnlich unsern Broschen oder Sicherheitsnadeln, aus einem Bügel, einem Ring oder einer Scheibe und einer elastischen oder durch ein Scharnier befestigten Nadel bestehend, bisweilen auch schnallenförmig. Ihrem Alter nach geht die F. bis in die Bronzezeit zurück; in Mykene, den Schweizer Pfahlbauten und in Oberitalien findet sie sich nur selten und in einfachster Gestalt, in einer gewissen Ausbildung dagegen bereits in Ungarn, Norddeutschland und Skandinavien. Hauptentwickelungsperiode der F. ist die Eisenzeit, in beschränkterm Maße die Hallstattzeit, in ausgedehntestem die La Tène-Periode mit ihren nachchristlichen mittel- und nordeuropäischen Entwickelungsstufen. Je nach dem Alter, der Herkunft und der Form unterscheidet man Hallstatt-, La Tène-, Langobarden- und andre Fibeln, Certosa- und Peschierafibeln, Armbrust-, Bogen-, Brillen-, Buckel-, Drachen-, Dreirollen-, Haken-, Kahn-, Kap pen-, Kröten-, Platten-, Schlangen-, Schnallen-, Sprossen-, Zweirollenfibeln (s. die betr. Abbildungen auf den Tafeln »Metallzeit«). Nach Almgren gehen alle nordeuropäischen Bogenfibeln römischer Zeit (vom Beginn der transalpinen Kolonisationstätigkeit an) bezüglich ihrer Entstehung auf die La Tène-Periode zurück. Außerdem setzt er eine ältere römische. bis ca. 200 n. Chr. dauernde Kulturepoche einer jüngern gegenüber. Diese tritt mit ganz neuen Formen auf, die zweifellos auf germanischen, aus Südrußland kommenden Einfluß zurückgehen. Fibeln von Gold, Silber oder Bronze waren bei den Römern in allgemeinem Gebrauch und sind überall gefunden worden, wo Römer gewohnt haben (s. Tafel »Schmucksachen I«, Fig. 3). In der römischen und byzantinischen Kaiserzeit wurden die Fibeln mit Email, Edelsteinen, Gravierungen etc. reich verziert. Auch die gallischen und germanischen Völkerschaften verzierten die Fibeln mit Email und gaben ihnen eine eigenartige Ornamentik (s. Tafel »Schmucksachen I«, Fig. 14 u. 19). Vgl. Agra sse. Vgl. Almgren, Studien über nordeuropäische Fibelformen der ersten nachchristlichen Jahrhunderte (Stockh. 1897); Tischler, Über die Formen der Gewandnadeln (Fibeln) nach ihrer historischen Bedeutung (»Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns«, Bd. 4, Münch. 1881–89).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 535.
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