Gnidelsteine

[66] Gnidelsteine (Gnidsteine, Glattsteine, Glanzsteine, plattd. Gliersteene, fries. Glüürstijne, auf Sylt Glidstijner), kugelförmige, flachkugelige oder halbkugelige, mit einer oder zwei Vertiefungen versehene Steine, die von der paläolithischen Zeit an bis auf die jüngste Vergangenheit in vielen Teilen Nordeuropas zum Auspressen und Glätten der Nähte in der Pelz-, Fell-, Tuch- und Leinwandkleidung dienten. Ihr Vorkommen ist für Skandinavien, Schleswig-Holstein, Hannover, Pommern, Rügen, Brandenburg und Mecklenburg nachgewiesen. Im Mittelalter ist der Stein vielfach durch Glas, in der Neuzeit (besonders in Mitteldeutschland und den Alpenländern) durch Holz ersetzt worden; auch ist zum ursprünglichen Zweck der andre des »Stopf- oder Nähsteins« hinzugekommen, d.h. das Gerät dient nunmehr vorwiegend als Unterlage beim Stopfen und Nähen. Vgl. Friedel in den Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 1874.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 66.
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