Hamel

[691] Hamel (spr. amell), 1) Ernest, franz. Historiker, geb. 2. Juli 1826 in Paris, gest. daselbst 6. Jan. 1898, ließ sich dort als Advokat nieder, widmete sich aber bald der Literatur und geschichtlichen Studien. Seit 1878 war er Mitglied des Munizipalrats von Paris. Extrem radikalen Ansichten huldigend, suchte er auch in seinen Werken diese und ihre frühern Vertreter zu verherrlichen und nahm es dabei mit der geschichtlichen Wahrheit nicht genau. Er schrieb: »Les principes de 1789« (1858); »Histoire de Saint-Just« (1858–59, 2 Bde.), welches Werk konfisziert wurde; »Marie la Sanglante« (1861, 2 Bde.); »Histoire de Robespierre« (1865–67, 3 Bde.; 2. Aufl. 1878); »Histoire de France depuis la Révolution jusqu'à la chute du second Empire« (1870–91, 7 Serien in 11 Bdn., bis 1870 reichend, teilweise in 2. Aufl.); »Histoire des deux conspirations du général Malet« (neue Ausg. 1873); »Thermidor« (1891, 2. Aufl. 1897) u. a.

2) Anton van, Romanist, geb. 17. Jan. 1842 in Haarlem, studierte protestantische Theologie und wurde Pfarrer der wallonischen Gemeinde in Leeuwarden, dann in Rotterdam. Von 1880–84 legte er sich in Paris und Berlin auf die romanische, speziell französische Philologie und wurde 1884 ihr Vertreter an der Universität Groningen. Er hat außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften (besonders in »De Gids«) zwei vorzügliche Textausgaben drucken lassen: »Li Romans de carité et Miserere« vom Renclus de Moliens (Par. 1885, 2 Bde.) und »Les Lamentations de Mathéolus et le Livre de Leesce« des Jehan Le Fevre (Bd. 1, das. 1892).

3) Gerard Anton van, Kriminalist, Zwillingsbruder des vorigen, geb. 17. Jan. 1842 in Haarlem, promovierte in Leiden, war bis 1878 Staatsanwalt, dann Ministerialrat für Rechtssachen im Kriegsministerium und bekleidet seit 1880 die Professur für Strafrecht an der Amsterdamer Hochschule. H. gehört mit Franz v. Liszt und Adolphe Prins zu den Hauptvertretern der neuern kriminologischen Richtung in der Strafrechtswissenschaft und begründete mit den beiden genannten Juristen im Sinne dieser Richtung 1889 die Internationale kriminalistische Vereinigung. Unter seinen Schriften ist hervorzuheben »Inleiding tot de studie van het Nederlandsche strafrecht« (Haag 1895, Teil 1). Der Behandlung der jugendlichen Verbrecher wandte er seine besondere Aufmerksamkeit zu und rief 1896 in Amsterdam die Gesellschaft Pro juventute ins Leben. H. war 1890 Begründer des niederländischen Juristenvereins. Er ist Mitherausgeber der »Tijdschrift voor strafrecht«.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 691.
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