Hemd [1]

[162] Hemd, weites Kleidungsstück, das fast den ganzen Körper bedeckt und vorn wenigstens nicht ganz offen ist, z. B. das Chor-, Meß-, Fuhrmanns-, Panzerhemd etc.; dann besonders ein ähnliches Kleidungsstück, das zunächst auf der Haut getragen wird und meist aus Leinwand oder Baumwolle, häufig aber auch aus Wolle und Seide hergestellt wird. Hemden, wenigstens leinene, kannten die Alten nicht; doch ist die römische subucula der Männer und die tunica interior der Frauen damit zu vergleichen. Erst bei den Angelsachsen läßt sich ein wirkliches H., wahrscheinlich aus Leinen, nachweisen, das dann fast das ganze Mittelalter hindurch vorn geschlossen, gewöhnlich mit kurzen Ärmeln getragen wurde. Erst im 16. Jahrh. wurde der Oberteil des Hemdes sichtbar und mit hoher Krause versehen. Doch galt das H. während des Mittelalters und des 17. Jahrh. als Luxusgegenstand und wurde bei Nacht abgelegt. Die hygienischen Eigenschaften s. Kleidung.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 162.
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