Karsterscheinungen

[682] Karsterscheinungen, die eigentümlichen Formen, die in und auf nackten Kalksteinen und Dolomiten durch Erosion (s. d.) entstehen und besonders bezeichnend sind für Gebiete, die, wie der Karst (s. d.), ganz oder zum größten Teil aus stark zerklüfteten Kalken und Dolomiten bestehen. Die wichtigsten K. sind die zahlreichen rundlichen, trichterförmigen Vertiefungen (Karsttrichter, Dolinen), oft an 30 m tief, in deren Grund das Regenwasser und mitunter auch Bäche verschwinden, die langgedehnten, gewundenen, blinden Täler und die breiten, talabwärts durch Querriegel verschlossenen Kesseltäler (Poljen), in denen der Fluß häufig zu einem See aufgestaut ist, und aus denen er durch Spalten (Katavothren, s. d.) auf unterirdischem Wege abzufließen genötigt ist, ferner die weitverzweigten, oft mit den wunderbarsten Tropfsteingebilden ausgestatteten Grotten und Höhlen, die nicht selten unterirdische Wasserläufe bergen und in den meisten Fällen als durch solche erweiterte Spalten anzusehen sind, und die mit Felsstücken überstreuten unfruchtbaren Flächen, in deren Vertiefungen sich als ein Auslaugungsprodukt der Kalksteine die Terra rossa (s. d.), der einzige der Vegetation günstige Boden der Karstgebiete, ansammelt. Die felsige Oberfläche der Karstgebiete zeigt besonders häufig Schratten oder Karren (s. d. und Tafel »Gebirgsbildungen«, Fig. 6). Außerhalb des eigentlichen Karstes begegnet man K. besonders auf den Kalkplateaus des Jura, in Südfrankreich, in Griechenland, in Syrien und Palästina, hauptsächlich in den Gebieten mit periodischem Regenfall; alle K. kommen in den verschiedensten Formationen, und zwar, mit Ausnahme der Poljen, sowohl in horizontal gelagerten als in gefalteten und dislozierten Kalkgebieten, vor; Poljen kennt man nur aus den letztern. Vgl. Cvijić, Das Karstphänomen (Wien 1893), und Literatur bei Artikel »Karst«.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 682.
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