Keratīn

[847] Keratīn (v. griech. kéras, Horn; Hornstoff), die Substanz des Horngewebes, die als Neurokeratin auch einen Teil der Scheide der markhaltigen Nerven bildet, und sich außerdem in den Eischalenhäuten der Wirbeltiere, in den Schalen der Schnecken, den Kokons der Blutegel etc. findet, wird erhalten, wenn man sein gepulverte Horngebilde zur Entfernung fremder Beimengungen mit siedendem Wasser, Alkohol, Äther und verdünnten Säuren behandelt. Aus der Schalenhaut des Hühnereies auf solche Weise gewonnenes K. ist farb-, geruch- und geschmacklos, fast aschefrei, unlöslich in heißem Wasser und verdünnten Säuren und Alkalien, löslich in stärkern Alkalien. Als Spaltungsprodukte treten bei Behandlung mit Säuren oder Alkalien auf Cystin, Tyrosin, Leucin, Glutaminsäure etc. Die Verdauungsfermente lösen nur jugendliches K. K. aus der Schalenhaut der Hühnereier enthält 49,78 Proz. Kohlenstoff, 6,64 Proz. Wasserstoff, 16,43 Proz. Stickstoff, 4,25 Proz. Schwefel, 22,9 Proz. Sauerstoff. Keratinlösungen benutzt man zum Überziehen von Pillen, die den Magen unverändert passieren und sich erst im alkalischen Dünndarminhalt lösen sollen (Dünndarmpillen, s. Pillen).

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Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 847.
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