Lotus

[736] Lotus L. (Schotenklee, Hornklee, Flügel erb se), Gattung der Leguminosen, kahle, rauh- oder seidenhaarige Kräuter oder Halbsträucher mit gefiederten Blättern, 4–5 ganzrandigen Blättchen, von denen meist drei an der Spitze des gemeinsamen Blattstieles sitzen, mittelgroßen, in axillären Dolden, seltener einzeln stehenden Blüten und länglicher bis linealischer, gerader oder gekrümmter, meist gefächerter Hülfe. Mehr als 80 Arten im gemäßigten Europa und Asien, besonders im Mittelmeergebiet, wenige in Südafrika und Australien. L. corniculatus L, (Lotusklee, gelber Honigklee), ausdauernd, mit aufsteigendem, ästigem Stengel und goldgelben, rot überlaufenen Blüten, findet sich fast durch ganz Europa, in Asien und Australien, variiert mannigfaltig in der Gestalt der Blättchen und in der Behaarung und ist ein gutes Viehfutter. Keine andre Leguminose besetzt ein so ausgedehntes Terrain; dabei verträgt der Hornklee rauhe und milde Lage gleich gut, läßt sich grün und getrocknet benutzen und bringt schöne, dauernde Weide hervor. Besonders empfehlenswert ist der Anbau im Gemenge mit Gräsern auf trocknen Äckern. Kraut und Blumen wurden früher arzneilich wie das Melilotenkraut angewendet. Auch L. uliginosus Schk. und L. siliquosus L. sind Wiesen- und Weidepflanzen[736] ersten Ranges, zugleich wertvoll für Bienenzucht. Die Hülsen von L. edulis L., einem Sommergewächs in Südeuropa, schmecken süß und werden auf Kreta roh gegessen. L. jacobaeus L. (schwarzer Schotenklee, Jakobsklee), ausdauernd, ist eine niedliche Zierpflanze mit dunkelbraunen, auch braunen und goldgelben Blüten. L. tetragonolobus L. (englische Erbse), im Mittelmeergebiet, mit purpurroten Blüten, wird als Gemüsepflanze statt der Erbse, besonders in England, angepflanzt und in Rumänien wie überhaupt im Orient grün, getrocknet, auch geröstet gegessen. L. peliorrhynchus Hook., auf den Kanarischen Inseln, mit scharlachroten Blüten, ist eine prächtige Ampelpflanze. L. arabicus L., auf den Kanarischen Inseln, durch das tropische Nordafrika bis Arabien verbreitet, dient nach dem Reisen der Samen als Viehfutter, ist aber auf gewissen Entwickelungsstufen für Pferde, Schafe, Ziegen höchst giftig. Namentlich unmittelbar vor der Blüte entwickeln die Blätter, wenn sie mit Wasser zerrieben werden, reichlich Blausäure. Sie enthalten ein Glykosid, Lotusin C22H19NO10, das unter dem Einfluß eines in den Blättern enthaltenen Enzyms, der Lotase, in Blausäure, Traubenzucker u. Lotoflavin zersetzt wird. Alte Pflanzen enthalten kein Lotusin. Lotoflavin C15H10O6 ist Dihydroxychrysin, isomer mit Luteolin und Fisetin.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 736-737.
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