Montemayōr

[95] Montemayōr, Jorge de, span. Dichter des 16. Jahrh., geb. um 1520 zu Montemor in Portugal, gest. 26. Febr. 1561 in Turin, begab sich früh nach Kastilien, wurde 1548 Sänger in der königlichen Ka-. pelle, kam 1552 im Gefolge der Prinzessin Johanna an den portugiesischen Hof, wo er über ein Jahr blieb, begleitete Philipp II. auf seinen Reisen, kämpfte in Flandern, ging aus unbekannten Ursachen nach Italien und fiel zu Turin im Zweikampf. Durch seine berühmte, aber unvollendet gebliebene »Diana« (Valencia 1558 u.ö.; neueste Ausg., Barcel. 1886) wurde M. Erfinder des spanischen Schäferromans, der in den Literaturen ganz Europas zahlreiche Nachahmungen hervorrief. Er zeichnet sich durch Kunst der Erfindung und Charakterzeichnung wie durch Schönheit der Sprache aus und gilt für klassisch. Eine schwache Fortsetzung lieferte Alonso Perez (1564), eine sehr gute (»Diana enamorada«) Gaspar Gil Polo (s. d.). Die »Diana« wurde in alle Kultursprachen übersetzt. Außerdem besitzen wir von M. mehrere Gedichtsammlungen: »Cancionero« (Antwerp. 1554 u.ö.) und[95] »Cancionero espiritual« (Antwerp. 1558), sowie drei kleine »Autos« und eine Übertragung der Dichtungen des Troubadours Aufias March (Sarag. 1562). Vgl. Schönherr, Jorge de M. (Halle 1886); Menéndez y Pelayo, Origines de la novela (Madr. 1905).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 14. Leipzig 1908, S. 95-96.
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