Patarēner

[494] Patarēner (von Pataria, dem Lumpensammlerviertel in Mailand), ursprünglich Spottname für die[494] kirchliche Reformpartei in Mailand, die, von Ariald und Landulf um 1056 begründet und von der römischen Kurie begünstigt, den mächtigen, aber verweltlichten Klerus, namentlich die Erzbischöfe von Mailand, bekämpfte und die Ausrottung der Priesterehe und der Simonie verlangte. Nach Landulfs Tode trat dessen Bruder Erlembald, erst neben Ariald, dann, nachdem dieser 1066 ermordet war, allein an die Spitze der patarenischen Bewegung, die auch außerhalb Mailands Anhänger gefunden hatte. Sie nahm nun auch einen politischen Charakter an und wandte sich gegen den König und dessen Investiturrecht. 1071 gewann Erlembald in Mailand die Oberhand, wurde aber 1075 erschlagen, worauf die P. niedergeworfen wurden. Später galt der Name auch als Bezeichnung für Katharer (s. d.). Vgl. Paech, Die Pataria in Mailand (Sondersh. 1872); Krüger, Die Pataria in Mailand (Bresl. 1873–74).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 494-495.
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