Peptōne

[575] Peptōne, Umwandlungsprodukte der eiweißartigen Stoffe, die sich im Magen unter dem Einfluß des Pepsins, im Darm durch das Ferment der Bauchspeicheldrüse bilden. Ähnliche peptonbildende Fermente sind auch im Wicken-, Hanf- und Leinsamen und in der Flüssigkeit enthalten, welche die Kannenpflanzen (Nepenthes) in ihren Kannen absondern. Endlich entstehen auch P. durch Einwirkung stark verdünnter Säuren auf Eiweißkörper. Die Eiweißkörper zerfallen bei der Spaltung in Albumosen und P., die selbst noch Eiweißkörper sind, aber nicht mehr die physikalischen Eigenschaften besitzen, die auf seiner Molekulargröße und seinem kolloidalen Zustand beruhen. Die P. können nicht durch Salze aus ihren Lösungen abgeschieden werden, sie geben die Biuretreaktion, aber die Fällungsreaktionen nur zum Teil. Die Albumosen sind durch Salze fällbar, koagulieren aber nicht mehr beim Erhitzen ihrer Lösungen. An die P. schließen sich auf der andern Seite die Peptide (s. d.) an, eine Grenze zwischen beiden gibt es nicht. Die P. sind farblose, trockne Pulver, in Wasser leicht löslich, zum Teil löslich in 96proz. Alkohol. Sie sind schwefelfrei, schmecken sehr bitter und bilden wie die komplizierten Eiweißkörper Salze mit Basen und Säuren. Man unterscheidet P. der Pepsinverdauung und P. der Trypsinverdauung, außerdem nach der Herkunft Albumin-, Fleischpepton etc. P. kommen im gesunden Organismus nicht vor, krankhaft treten Albumosen bei Eiterungen, bei der Einschmelzung und Resorption von Exsudaten und ähnlichen Prozessen auf. Im Blut kreisende Albumosen erzeugen Fieber, sie finden sich auch im Auswurf Lungenkranker und im Harn, niemals aber P. Über die Anwendung von Peptonen als Nährpräparate (Fleischpepton u.a.) s. d. Verbindungen von Peptonen mit Metalloxyden (Peptonate) finden vielfach arzneiliche Verwendung wie Eisenpeptonat, Quecksilberpeptonat u.a.

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Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 575.
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