Sagasta

[416] Sagasta, Práxedes Mateo, span. Staatsmann, geb. 21. Juli 1827 in Torrecilla de Cameros, gest. 5. Jan. 1903 in Madrid, war anfänglich Ingenieur an der Spanischen Nordbahn, wurde 1854 von der Provinz Zamora in die Cortes gewählt, flüchtete nach Niederwerfung der radikalen Erhebung im Juli 1856 nach Frankreich und ward nach der Amnestie Professor an der Ingenieurschule in Madrid, progressistisches Mitglied der Cortes und Redakteur der »Iberia«. Nach dem Aufstand von 1868 wurde S. als eifriger Anhänger Prims Minister des Innern. Im Oktober 1871 zum Präsidenten der Cortes gewählt, trat er 20. Dez. in das Ministerium Malcampo, dessen Führung er 18. Febr. 1872 übernahm, mußte aber 22. Mai 1872 zurücktreten, ward nach dem Staatsstreich von 1874 Minister des Auswärtigen, 4. Sept. Ministerpräsident, wurde 30. Dez. durch die alsonsistische Erhebung gestürzt und war seitdem Führer der Progressisten. Als solcher ist er seit 1881 fünfmal, meist mit Canovas del Castillo abwechselnd, Ministerpräsident gewesen und hat sich durch Einführung des allgemeinen Stimmrechts sowie der Zivilehe, der Geschwornengerichte und der allgemeinen Wehrpflicht um den Fortschritt des Landes verdient gemacht. Unter seine Regierung fiel aber auch der spanisch-amerikanische Krieg, der Spanien den Verlust fast aller seiner Kolonien brachte. Sein letztes Ministerium fand einen wenig würdigen Abschluß, indem S. nach wiederholten parlamentarischen Niederlagen erst auf direkte Aufforderung des Königs zurücktrat.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 17. Leipzig 1909, S. 416.
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