Steele [2]

[882] Steele (spr. ßtīl), Sir Richard, engl. Schriftsteller, geb. 1671 in Dublin, gest. 1. Sept. 1729, studierte in Oxford (Addison war sein head-boy), trat dann als gemeiner Soldat in die Armee (was seine Enterbung zur Folge hatte) und versuchte sich alsbald als Schriftsteller. Mitten in einem extravaganten Leben, schwankend zwischen Gutmütigkeit und Leichtsinn, überraschte er die Welt durch den moralischen Traktat »The christian hero« (1701). Ihm folgten einige Lustspiele, die sich nach Cibbers Vorgang bemühten, die Ausgelassenheit der Restaurationszeit mit bürgerlicher Moral zu vertauschen. Am meisten Erfolg hatte er, als er 1709 eine dreimal wöchentlich erscheinende Zeitschrift: »The tatler«, begründete, in der er sittenschildernde, unterhaltende und belehrende Essays bot. Die bedeutendsten Schriftsteller boten ihre Hilfe an, Addison wurde der hervorragendste Mitarbeiter. Es war die erste der »moralischen Wochenschriften« (s. d.). Die zweite, noch bedeutsamere war der wesentlich von Addison, doch mit starker Mithilfe Steeles 1711 gegründete »Spectator«. 1713 ließ er »The guardian« folgen, lenkte aber zu tief in das politische Fahrwasser, um dauernd Erfolg zu haben, zumal S. im whiggistischen Sinne wirkte, was sogar 1714 seinen Ausschluß aus dem Parlament herbeiführte. Als bald darauf mit der Thronbesteigung Georgs I. die Whigs aus Ruder traten, kam S. wieder zu Ehren und erhielt die Stelle eines Oberstallmeisters in Hamptoncourt. Seine Lustspiele erschienen 1761, seine Briefe 1787, eine Auswahl seiner Essays mit Einleitung und Anmerkungen gab A. Dobson heraus (Oxford 1886). Vgl. Montgomery, Memoirs of Sir Richard S. (Lond. 1865, 2 Bde.); G. A. Aitken, Life of Sir Richard S. (das. 1889, 2 Bde.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 882.
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