Kirchenslawisch

[511] Kirchenslawisch (Altslawonisch, Altslawisch, Cyrillisch), die älteste slawische Schriftspräche, in welcher vorzugsweise die Kirchenschriften der slawischen Völker des griechische Ritus abgefaßt sind. Das K. beruht auf dem alten Dialekte der bulgarischen Slawen u. gehört somit der östlichen Gruppe der slawischen Sprachen an, unter denen es den Urtypus am treuesten bewahrt hat u. für das vollendetste Muster aller slawischen Sprachen gilt. Zu den Zeiten Cyrills (s. d,) war das Altslawonische über die ganzen südlich der Donau gelegenen Länderstriche, in dem heutigen Litorale, Serbien, Bosnien u. Bulgarien, ausgebreitet u. mit geringen Abweichungen überall dasselbe. Das Vorbild der Griechischen hat unverkennbar auf die literarische Ausbildung der Sprache eingewirkt. Am reinsten gilt das K., welches in den ältesten Schriften der von Cyrill, dessen Bruder Method u. ihren Gehülfen aus dem Griechischen übersetzten Kirchenbüchern u. biblischen Schriften erscheint, wie z.B. in dem ostromirischen u. rheimser Evangelium, den ältesten Sborniks, der Inschrift von Tmutorakan etc. Vom 8. bis 12. Jahrh. war sie die einzige slawische Sprache, welche als Schriftsprache angewendet wurde; als solche blieb sie auch noch bei den verschiedenen slawischen Völkern des griechischen Ritus in Gebrauch, bis letztere ihre eigenen Volksmundarten zu Schriftsprachen ausbildeten. Gegenwärtig findet sie blos noch in. der Kirche u. beim Gottesdienst Anwendüng Über die Kirchenslawischen Bücher s. Schafarik, Geschichte der slawischen Sprache u. Literatur, Ofen 1825. Als die älteste ausgebildete slawische Mundart hat das A. für das historische u. sprachvergleichende Studium der slawischen Mundarten besondere Wichtigkeit erhalten u. wurde deshalb in neuester Zeit mehrfach, namentlich von Miklosich, Radices linguae palaeoslovenicae, Lpz. 1845; Lexicon linguae palaeoslovenicae, Wien 1850; Formelehre der Altslawonischen Sprache, ebd. 1854; Die Bildung der Nomina im Altslawonischen, ebd. 1858; Vergleichende Grammatik der slawischen Sprachen, ebd. 1852–57, Bd. 1. u. 3, u. Schleicher, Die Formenlehre der Kirchenslawischen Sprache, Bonn 1852, sowie von verschiedenen russischen Gelehrten bearbeitet.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 511.
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