Oswaldsage

[505] Oswaldsage (Sant Oswaldes leben), mittelhoch deutsche Legende od. geistliche Dichtung, in der Mitte des 12. Jahrh. von einem fahrenden Mann (Volksdichter) bearbeitet u. im 14. Jahrh. von zwei ebenfalls unbekannten Dichtern überarbeitet; herausgegeben von Ettmüller, Zür. 1835, u. in Haupts Zeitschrift für Deutsches Alterthum. Der Inhalt ist folgender: St. Oswald (s.d.), König von [505] England, war früh verwaist u. hatte viel zu dulden; da er sich eine würdige Jungfrau zur Gattin wünscht, so schlägt ihm der Pilger Warmund die schöne Pamige, die Tochter des heidnischen Königs Aaron, vor. Ein Rabe, welchen Oswald erzogen hat u. der alle Sprachen wohl reden kann, wird mit einem Brief u. Ring an die Jungfrau abgeschickt u. diese gibt ihm wieder einen Brief u. Ring für Oswald mit, welchen sie auffordert, mit Heeresmacht zu kommen, um sie von ihrem grausamen Vater zu gewinnen. Oswald zieht nun auf 72 Schiffen nach dem Lande seiner Braut u. entführt dieselbe; aber Aaron eilt ihm nach, u. es kommt zu einer Seeschlacht. Oswald thut das Gelübde, Gott alles opfern zu wollen, wenn er nur den Sieg gewinnt; Aarons Leute werden auch wirklich geschlagen, u. Oswald nimmt Pamige mit seinem Schwiegervater nach England, welchen er zum Christenthum bekehrt. Bei dem Siegesfeste erscheint der Heiland in Gestalt eines Pilgers u. verlangte von Oswald in Gottes Namen seine Krone u. sein Weib; Oswald, seines Gelübdes eingedenk, übergibt ihm beide, aber wegen seines Gehorsams erhält er beide für zweijährigen Genuß zurück, worauf Oswald u. Pamige sterben.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 505-506.
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