Prophezey

[627] Prophezey, die nach der Reformation, an die Horenordnung der alten Kirche sich anlehnende, bes. in der Reformirten Kirche, zuerst in Zürich ausgebildete [627] Sitte, daß in den Wochentagen zu gewissen Stunden die Pfarrer, Kaplane u. Studirenden in der Hauptkirche zusammenkamen u. hier ganze Bücher der Bibel nach der Reihe lasen; zuerst wurde ein Abschnitt in der Grundsprache vorgelesen, dann derselbe exegetisch erörtert u. zuletzt dogmatisch u. praktisch beleuchtet (derselbe Gang, wie ihn J. P. Lange in dem Theologisch-homiletischen Bibelwerke, Bielef. 1857 ff., genommen hat). Während diese P-en mit der Zeit bei verbessertem Gang des theologischen Studiums allmälig zurücktraten, wurden sie als gemeinsame erbauliche Schrifterklärung in Privatkreisen, welche auch Laien, selbst Frauen, üben konnten, zuerst von den Jansenisten in Port Royal, dann von Labadie aufgegriffen u. gingen in diesem Sinne auch in die Lutherische Kirche über, wo sie von Spener in seinen Collegia pietatis aufgenommen wurden u. noch jetzt mehrfach theils in den hier u. da bestehenden Bibelconferenzen, theils in Erbauungs- u. Bibelstunden bald mit mehr privatem u. häuslichem, bald mit mehr kirchlichem Charakter gehalten werden.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 627-628.
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