Stechapfel

[715] Stechapfel, 1) die Pflanzengattung Datura; bes. 2) Dat. stramonium, aus welcher ursprünglich ostindischen, jetzt durch ganz Europa verbreiteten Pflanze ein Pflanzengift bereitet wird; die Pflanze nimmt mit dem schlechtesten Boden vorlieb u. vermehrt sich leicht durch den ausfallenden Samen; man zieht sie auch in Gärten. Wurzel: holzig u. dick; Stängel: aufrecht, sehr ästig, glatt, dick, rund, 2–3 Fuß hoch; Äste: ausgebreitet; Blätter: groß, gestielt, eiförmig, buchtiggezahnt, spitzig, glatt, dunkelgrün, niedergebogen, in den Winkel der Zweige stehend; die großen, weißen Blumen kurzgestielt; Kapsel: eiförmig, aufrechtstehend, dornig; Samen: nierenförmig, dunkelbraun, runzelig, dem Schwarzkümmel ähnlich. Die ganze Pflanze, mit Ausnahme des Samens, hat frisch einen widrigen, betäubenden Geruch, alle Theile wirken wie ein narkotisches Gift (vgl. Daturin). Schon der bloße Geruch verursacht Trunkenheit u. Kopfweh; in größeren Gaben hat ihr Genuß, bes. des Samens, Wahnwitz, Raserei, Schlagfluß u. durch diesen den Tod zur Folge. Das Stechapfelkraut (Herba stramonii), die Blätter des Stechapfels, bes. das bei sehr gelinder Wärme daraus bereitete Extract (Extractum stramonii), ingleichen die Samen (Semen stramonil) u. die durch Digestion daraus erhaltene Tinctur (Tinctura seminis stramonii) waren sonst mehr als jetzt gegen Epilepsie, Melancholie, Gicht u. andere Übel in Gebrauch.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 715.
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