Hohenzollerische Landesbahn

[218] Hohenzollerische Landesbahn (A. G. Sigmaringen), 107∙5 km lang; hiervon in Preußen 92∙6 km, in Württemberg 14∙9 km.

Die ehemaligen Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen bilden seit dem Jahre 1850 den preußischen Regierungsbezirk Sigmaringen.

Die Erbauung von preußischen Staatsbahnen konnte bei dem Mangel jeder Verbindung mit den übrigen preußischen Landesteilen nicht in Frage kommen. Dagegen queren die württembergische und badische Staatsbahn das Land, und zwar erstere bei Dettlingen, entlang des Neckartales, bei Hechingen, Sigmaringen und Ostrach, letztere bei Krauchenwies.

Diese Bahnen dienen im wesentlichen dem Verkehr der diesseits und jenseits Hohenzollerns vorhandenen Staatsbahnstrecken und erschließen die Hohenzollernschen Lande nur in beschränktem Maße. Um dem Bedürfnis des Binnenverkehrs des Landes zu genügen, wurde daher die H. als nebenbahnähnliche Kleinbahn durch den Hohenzollernschen Landeskommunalverband mit Unterstützung des preußischen Staates ins Leben gerufen. Die auf württembergischem Gebiet liegenden Strecken der Bahn sind Nebenbahnen, da Württemberg keine Kleinbahnen kennt.

Zunächst wurden 1899 (s. Abb. 124) die 54 km langen Stichbahnen Sigmaringendorf-Bingen, Gammertingen-Kleinengstingen, Hechingen-Burladingen und Eyach-Stetten ausgeführt, um den Verkehr der inneren Teile des Landes mit den Staatsbahnen zu vermitteln. Sodann wurden diese Stichbahnen unter sich verbunden, u.zw. 1908 durch die Linie Sigmaringen-Bingen-Gammertingen-Burladingen und 1912 durch die Linie Hechingen-Stetten. Da die Erhebung der schwäbischen Alb das Land von Nordosten nach Südwesten durchzieht und die verschiedenen Landesteile teils dem Flußgebiet der Donau, teils dem Flußgebiet des Neckar zugehören, mußte die Landesbahn mit erheblichen Gegensteigungen und der zum Teil enggewundenen Täler wegen mit scharfen Krümmungen zur Ausführung kommen. Mit Rücksicht auf die vielfachen Anschlüsse an die Staatsbahnen wurde trotzdem die Vollspur[218] als wirtschaftlicher der Ausführung zu gründe gelegt. Die größten Steigungen betragen 27∙8, (1 : 36) die schärfsten Krümmungen haben im allgemeinen 200 m Halbmesser, ausnahmsweise kommen solche mit nur 160 m vor. Der höchste Punkt der Bahn liegt an der europäischen Wasserscheide bei Burladingen auf 734 m, der tiefste Punkt der Bahn bei Station Eyach a/N. auf 373∙9 m.

Zur Herstellung der Bahn wurde eine Aktiengesellschaft gegründet. Es übernahmen an den Stammaktien der Hohenzollernsche Landeskommunalverband und die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft ein Viertel, der preußische Staat die Hälfte der Aktien. Bei den Erweiterungslinien übernahm der Landeskommunalverband ein Drittel und der preußische Staat zwei Drittel der Aktien.

Für die Aktien, die die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft übernommen hat, gewährleistet der Hohenzollernsche Landeskommunalverband auf 35 Jahre eine Verzinsung von 31/2%.

Das gesamte Aktienkapital der H. beträgt 8,563.000 M.

Die Kosten des Grunderwerbes im Werte von rund 1,200.000 M. wurden von den beteiligten Gemeinden, Amtsverbänden und den preußischen Interessenten getragen. Außerdem wurden von solchen Interessenten an den Hohenzoll. Landeskommunalverband Beiträge in einen Garantiefonds zur Entlastung von seinen Verpflichtungen der Bahn gegenüber in Höhe von 450.000 M. geleistet. Der Bau der Bahn war der Westdeutschen Eisenbahngesellschaft in Generalunternehmung übertragen.

Der Bau war mit Schwierigkeiten verknüpft. Es waren Felseneinschnitte bis zu 25 m Tiefe, Einschnitte durch Molasse bis zu 20 m Tiefe, im Ganzen 1,120.000 m3 Erdarbeiten, 3 Tunnel mit zusammen 416 m Länge, 40 gewölbte Brücken und 37 Brücken mit eisernem Überbau neben einer Anzahl kleinerer Bauwerke und größerer Flußverlegungen auszuführen.

Auch sind starke Rutschungen in den Einschnitten vorgekommen. Der Oberbau auf Packlage und Schotter ist auf hölzernen Schwellen verlegt mit Schienen von 24∙9 und 25∙3 kg/m Gewicht. Neben den Unterlagsplatten sind in Bögen unter 200 m eiserne Stützknaggen angeordnet.

An Betriebsmitteln sind vorhanden:

1 Lokomotive mit 53 t, 2 mit 43 t, 2 mit 24 t und 6 mit 20 t Dienstgewicht, sodann 4 Post- und Gepäckswagen, 17 Personenwagen und 36 offene und gedeckte Güterwagen.

Die Geschwindigkeit der Personenzüge beträgt 40 km/St., auf den Steilrampen 20 km/St.

Auf dem Bahnnetz sind 41 Stationen errichtet.

Die Kosten der Bahn betrugen einschließlich Beschaffung der Betriebsmittel 80.000 M./km.

Den Betrieb führt die Westdeutsche Eisenbahngesellschaft (Betriebsabteilung Stuttgart) im Auftrage der Hohenzollerischen Landesbahn gegen eine Entschädigung von 10% des Betriebsüberschusses.

Die Tarife sind ungefähr die gleichen wie auf den Deutschen Staatsbahnen.

Die Bahn steht in unmittelbarem Tarifverkehr mit den anstoßenden Staatsbahnen.

Betriebsergebnisse des Jahres 1913.

Beförderte Personen 685.744 mit einer Einnahme von 207.780 M., 931 M./km, 0∙29[219] M./Pers. Beförderte Tonnen 119.327 mit einer Einnahme von 245.815 M., 2284 M./km, 1∙99 M./t, 0∙09 M./tkm.


Beförderungslänge km/t 21∙5
Lokomotiv km 473.000
Personenwagenachs km2,519.000
Güterwagenachs km1,434.000
Im Ganzen Achs km3,953.000
Wagenachs km auf 1 km 36.735

Gesamte Betriebseinn.463.000 M.,für km 4310 M.
Gesamte Betriebsausg.349.800 M.,für km 3250 M.
Für 1000 Lokomotiv km 739 M.
Betriebsüberschuß 113.460 M.
Erneuerungsrücklagen 41.000 M.
Dividende 0∙75%

Leibbrand.

Abb. 124.
Abb. 124.
Quelle:
Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 6. Berlin, Wien 1914, S. 218-220.
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218 | 219 | 220
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