Garrigue, Rudolph

[288] Garrigue, R. Rudoplh Garrigue wurde 1822 in Kopenhagen geboren, in Deutschland erzogen und erlernte den Buchhandel in der Herold & Wahlstabschen Buchhandlung in Lüneburg, wo er auch die Bekanntschaft seines späteren Geschäftsteilhabers in New-York, F. W. Christern, machte. In den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts kam er nach Leipzig und trat als Gehilfe bei F. A. Brockhaus ein. Als damals eine Vereinigung großer deutscher Verlagshäuser den Plan gefaßt hatte, in Nordamerika eine »Deutsche Vereinsbuchhandlung« zu gründen, um in vollkommen richtiger Voraussicht das beschränkte heimische Absatzgebiet für ihre Verlagsartikel zu erweitern, und es sich zunächst darum handelte, das damals in Deutschland noch weniger bekannte Dollarland zu erforschen, wurde der junge Garrigue mit dieser schwierigen Aufgabe betraut. Er schiffte sich 1845 nach Amerika ein und bereiste den ganzen Westen und Süden des Landes. 1846 nach Leipzig zurückgekehrt, legte er auf vierundsiebzig enggeschriebenen Quartseiten einen sehr umfassenden und eingehenden Bericht vor, in dem er mit besonderem Nachdruck hervorhob, daß das Zentrum des deutschen Lebens in den Vereinigten Staaten und demzufolge auch des dortigen deutschen Buchhandels in kürzester Zeit im Westen liegen würde, welche Prophezeiung inzwischen längst zur Wahrheit wurde. Der weitblickende Plan der deutschen Verleger kam indessen nicht zur Ausführung, da von den nötigen 300 Aktien nur 149 gezeichnet wurden.

1847 landete Garrigue zum zweitenmale in New-York, diesmal aus eigenem Antriebe, und gründete am 1. Juni desselben Jahres die Firma Rudolph Garrigue, Deutsche Buchhandlung in New-York. 1852 nahm er seinen Jugendfreund und nunmehrigen Schwager F. W. Christern (gest. im Mai 1891), der ihm im Jahre 1850 über den Ozean gefolgt war, als Teilhaber auf, was die Aenderung der Firma in Garrigue & Christern zur Folge hatte.

Schon früher hatte er neben dem Sortimentsbetriebe seine Aufmerksamkeit dem Verlage gewidmet. Hier war es namentlich eine englische Ausgabe des Brockhausschen Bilderatlasses, die seine[288] Thätigkeit mehrere Jahre in Anspruch nahm. Als aber 1854 eine verheerende Feuersbrunst das unvollendet liegende Werk samt den Platten zerstörte, entmutigte ihn dieses Ereignis in so hohem Grade, daß er das Geschäft seinem Teilhaber überließ, das nach dessen Tode an Paul L. Dyrsen und Ferd. E. Pfeiffer überging und unter der Firma F. W. Christern weiterbetrieben wird. Vorher, 1851, hatte Christern bereits die Buchhandlung John Weik in Philadelphia erworben.

Garrigue, der schon seit längerer Zeit in der New-Yorker »Deutschen Gesellschaft« ein eifrig thätiges Mitglied war, widmete seine Zeit zunächst ganz den humanen Bestrebungen dieses Vereins, dessen Aufgabe hauptsächlich in der Verbesserung des Loses der deutschen Einwanderer bestand. 1854 folgte er Gustav Schwab in der Präsidentschaft der Gesellschaft, verzichtete aber Ende 1856 auf dieses Amt, in dessen Ausübung es ihm gelungen war, eine ansehnliche Menge von Reformen durchzuführen und damit nicht nur den deutschen, sondern auch anderen Einwanderern erhebliche Milderungen ihrer bis dahin vielfach unglaublichen Leiden zu verschaffen. Bald darauf beteiligte er sich an der Gründung der Feuerversicherungs-Gesellschaft »Germania«, deren erster Sekretär er im Jahre 1859 wurde. 1864 wurde er zum Vize-Präsidenten gewählt, und von 1866 bis zu seinem Tode, 28. Sept. 1891, bekleidete er ununterbrochen das Präsidentenamt dieser großen Gesellschaft.

Quellen: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 1892.

Quelle:
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 2. Berlin/Eberswalde 1903, S. 288-289.
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