Edelleute

[720] 1. Acht Edelleute aus dem oszmianischen Gebiet führen Eine Ziege auf den Markt. (S. Edelmann.) (Poln.)

Von der Armuth des dortigen Landadels.


2. Alle Edelleute sind Vettern und alle Schliffel1 Gevattern.

1) Lümmel, Grobiane.

Frz.: Tous gentilshommes sont cousins et tous vilains son compères. (Lendroy, 527.)


3. Der Edelleute Feste fallen selten in den Christmond.Simrock, 1453; Eiselein, 108.


4. Die Edelleute im Baierlande mögen jagen, so weit sich das Blaue am Himmel erstreckt. Eisenhart, 193; Pistor., V, 53; Kreittmayr, Rechtsregeln und Sprüche (München 1848), 30; Eiselein, 51; Reinsberg V, 61; Simrock, 697; Graf, 130, 387.

Bezieht sich auf ein Privilegium, welches der Herzog Otto im Jahre 1311 und nach ihm Herzog Albrecht 1557 dem bairischen Adel ertheilte und das unter dem Namen der Edelmannsfreiheit bekannt ist. Es begreift ausser der niedern Gerichtsbarkeit auch ein sehr ausgedehntes Jagdrecht in sich, dem zufolge den Adeligen nicht nur auf ihrem Grund und Boden, sondern auch auf dem Eigenthum anderer die Jagd zustand, das sie sogar berechtigte, in den dem Landesherrn zugehörigen Gegenden zu jagen.


5. Die Edelleute scheren die Bauern, die Advocaten aber die Edelleute.Winckler, VIII, 8.


6. Edelleut stecken nicht in Bubenheut.Lehmann, 136, 7; Eiselein, 130.


7. Edelleute – des Teufels Beute.


8. Edelleute schlüpfen oft in Bubenhäute.Simrock, 1765; Eiselein, 130.


9. Edelleute und Hunde lassen die Thür auf. Simrock, 5067.


10. Lass den Edelleuten jr wilpret, den Baurn jr kirchweihe, den Hunden jr hochzeit, so bleibst vngeraufft.Egenolff, 200b; Lehmann, II, 370, 19; Gruter, I, 57; Pistor., III, 58; Estor, I, 197; Agricola I, 125; Petri, II, 458; Guttenstein, I, 91; Simrock, 1771; Eiselein, 130.

Holl.: Men late den edellieden hun wildbraad, den boeren hunne kermis en den honden hunnen hoogtijd (hunne bruiloft, hun been), zoo blijft men ongedeerd. (Harrebomée, I, 170.)


11. Newe edelleut vnd Schreiber tragen vil sammet vnnd ketten.Henisch, 789; Petri, II, 493.


12. Weren edelleut gnug, so wurde nicht ein jeder reicher burger oder bawr wöllen edel sein.Henisch, 789.


13. Wo Edelleute sind, da sind auch Hasen. Blum, 728; Simrock, 1770; Graf, 130, 388.

Will wol blos daran erinnern, dass früher im alten Deutschland die Jagd eine der ersten Beschäftigungen des Adels ausmachte; aber das Sprichwort hat doch neben der geschichtlichen Seite eine eklige Spitze, die der Volkswitz aus Aerger deshalb hineingelegt hat, weil regelmässig nur der Adel mit dem Wildbann belegt wurde. Man denkt hierbei unwillkürlich an die Anwendung, welche ein pommerscher Schäfer gegen Friedrich den Grossen von diesem Sprichwort machte. »Gibt es«, fragte der König den Hirten, »in dieser Gegend noch Hasen?« Dieser, der den Frager nicht kannte, antwortete: »Solange et Edellüte geft, werd et ock wol Hasen gewen.« Lächelnd erwiderte der König: »Ihr habt recht, Vater, aber ich bin kein Edelmann


[Zusätze und Ergänzungen]

14. Edelleut, Juden und Nussbäume lassen unter sich nichts anderes aufkommen. (Oberhessen.)


15. Edelleut und Pfaffen stehen nicht wol in Eim Stall.Franck, Weltbuch, XLVIa.


16. Edelleute säen gern in gemeine Erde.

»Es ist der Edelleute Brauch, dass sie auch in gemeine Erde säen, denn sonst so mancher wackere Kerl würde von schlechten Eltern kommen.« (Köhler, 104, 5.)


17. Es sind nie weniger Edelleute, als wenn jeder will von Adel sein.


*18. Unter bairische Edelleute1 gerathen.

1) So werden die Schweine scherzhaft von den Oesterreichern genannt.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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