Krethi

Es ist Krethi und Plethi beisammen (geladen).2 Sam. 8, 18; 15, 18; Kirchhofer, 33; Büchmann, 151.

»Krethi und Plethi hiess die Leibwache des Königs David, die besonders gebraucht wurde, um Botschaften zu überbringen und Todesurtheile zu vollstrecken. Es ist unausgemacht, ob die Wörter von der Herkunft oder dem Dienst abgeleitet sind. Jetzt werden die beiden Wörter gebraucht von zusammengerufenen oder zusammengelaufenen Personen niedern Standes mit einer verächtlichen Nebenbedeutung.« (Der Scholiast von Klaus Harms.) F.G. Lisco (Die Bibel, 1, 489) sagt darüber: Der Name ist entweder der einer Völkerschaft (1 Sam. 30, 14 u. 16; Zeph. 2, 5), Krethi der der Südphilister, Plethi der der Nordphilister, wie manche meinen, oder beide Wörter sind keine Eigennamen; denn jenes (Krethi) heisst im Hebräischen: ausrotten, tödten, dieses: entfliehen, forteilen. Dann sind die Krethi und Plethi die Scharfrichter und Läufer oder Eilboten. Als Leibwache hatten sie die Todesurtheile zu vollziehen (vgl. 1 Kön. 2, 25 u. 34) und zugleich die königlichen Befehle und Briefe an entfernte Orte zu bringen (2 Chron. 30, 6). In Aegypten und Babylonien vormals, und jetzt noch in der Türkei hat die Leibwache dieselben Verrichtungen. Späterhin hiess die israelitische Schloss- und Leibwache (vgl. 2 Kön. 11, 4. 19) nach Luther's Uebersetzung: Hauptleute und Trabanten. Wider die Ansicht, dass »Krethi und Plethi« Philister gewesen seien, spricht, dass es nicht wahrscheinlich ist, David werde eine Leibwache aus Fremdlingen gehabt haben. (Vgl. [1604] 2 Kön. 15, 18 u. 20, 7.) – Eine jüdisch-deutsche Redensart heisst: »Was das Jam haggodel (das grosse, Mittelländische Meer, 4 Mos. 34, 6. 7) ausgeworfen«, und bezieht sich wol auf 2 Mos. 14, 30. Eine andere: »Hakkel bakkel« (alles in allem). (Tendlau, 581.) Zur Bezeichnung jedes schlechten unnützen Zeugs, sei es von Menschen im Sinne: »das ist Gesindel«, oder von Dingen, z.B. Knochenzugaben des Fleischers, dient die Redensart: Das is e Zor-wechór. (Tendlau, 583.) Jüdische Kleiderhändler in Frankfurt a.M. haben in Bezug auf Dinge oder Menschen den verächtlichen Ausdruck »Chalderapes« (Gezeug). (Tendlau, 585.) Ausschuss, schlechtes Zeug heisst: »Lauter Bawel.« (Tendlau, 584.) Eine »Menge allerlei Leute« oder nach Luther: »Viel Pöbel-Volk«, zusammengelaufenes Gesindel: »Das is e Erew-row.« (Tendlau, 586.)

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870, Sp. 1604-1605.
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