Sylvesternachtwind

Sylvesternachtwind, früh Sonnenschein bringt keinen guten Wein. (Sachsen.) – Boebel, 55; Oec. rur.

Man pflegt nicht nur aus Naturerscheinungen am Sylvester die künftige Witterung zu bestimmen, man sucht auch die eigenen künftigen Schicksale zu ermitteln. So werfen die Mädchen, mit dem Rücken nach der Thür gekehrt, einen Pantoffel rückwärts über den Kopf. Weist die Pantoffelspitze nach der Thür, so verlässt das Mädchen in dem kommenden Jahre das Haus; wo nicht, nicht. Am Sylvesterabend stellen die Mädchen auch drei Teller hin mit Sand, mit Wasser und mit Kohl, greifen dann mit geschlossenen oder verbundenen Augen danach. Je nachdem sie nun entweder den Kohl, das Wasser oder den Sand treffen, werden sie im kommenden Jahre entweder Braut, oder kommen sie zu Fall oder müssen sterben. Während die Mädchen diese Ermittelungen am Sylvester anstellen, richten andere wieder andere Fragen an denselben, z.B. die Holzdiebe. – Wer am Sylvesterabend während die Glocken in die Kirche läuten, sich unbemerkt in ein Haus einschleicht, das im verflossenen Jahre keine Todten hatte, und ein Stück Brennholz stiehlt, ohne dabei ertappt zu werden, der kann das ganze folgende [984] Jahr Holz im Walde stehlen, ohne dass man ihn dabei trifft. – Bäume, welche nicht tragen, werden in der Sylvesternacht mit Geld beschenkt, das man ihnen unter die Rinde steckt. – Wenn ein Familienglied in der Sylvesternacht ein weisses Tuch über den Kopf zieht, rücklings aus dem Hause geht und dann auf den Firsten des Daches einen Sarg oder eine Wiege erblickt, so stirbt entweder jemand, oder es wird ein Kind geboren. (Vgl. Ad. Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart, 1870.)

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876, Sp. 984-985.
Lizenz:
Faksimiles:
984 | 985
Kategorien: