Hirsch, der

[1205] Der Hirsch, des -es, plur. die -e, im Oberd. des -en, plur. die -en, ein zweyhufiges vierfüßiges wildes Thier, mit einem dichten ästigen Geweihe, welches sich in den Wäldern aufhält und zur hohen Jagd gerechnet wird. Im engern Verstande wird nur das männliche Geschlecht der größern Art dieser Thiere, der Rothhirsch, der edle Hirsch, welcher ein kegelförmiges zurück gebogenes Geweih mit spitzigen Enden hat, Cervus elaphus L. und dessen Weibchen, die Hirschkuh, bey den Jägern aber das Thier, das Rothwildbret, das Wild, in einigen Oberdeutschen Gegenden auch die Hirschinn, mit diesem Nahmen belegt; dagegen man im weitern auch wohl den kleinern Rehbock, Capreolus L. dessen Weibchen das Reh ist, und dessen kegelförmiges Gehörn am Ende in zwey Spitzen getheilet ist, und den Damhirsch, Dama L. dessen Geweih nur am Ende schaufelig ist, mit unter die Hirsche zu rechnen pflegt. ein jagdbarer Hirsch, welcher wenigstens acht Enden an seinem Geweihe haben, oder fünf Jahre alt seyn muß, im Gegensatze des geringern unjagdbaren.

Anm. Der Nahme dieses Thieres lautet bey dem Willeram und Notker Hirz, bey dem Stryker Hirs. Die nördlichern Mundarten vertauschen den Zischlaut ihrer Gewohnheit nach mit dem t, wie das Nieders. Hart, das Angels. Heort, das Engl. Hart, das Dän. Hiort, das Schwed. Hjort, das Holländ. Hert, das mittlere Lat. Hairet. Die Abstammung dieses Wortes ist ungewiß, weil die Wahrscheinlichkeit auf mehrern Seiten gleich ist. Stiernhielm leitet es von currere, bey dem Ulphilas hurra, her, weil dieses Thier überaus schnell ist, und in Pezens Glossen horsco für schnell vorkommt, S. Hurtig; Wachter und Frisch von den Hörnern, wie Cervus von κερας, und dem alten Zeitworte hurten, hirten, stoßen, Nieders. hurten, Franz. heurter, von welchem auch im mittlern Lat. Hurtus einen Bock bedeutet, wohin auch das Lat. Hircus gehöret; Ihre von Herde, Angels. Heord, weil der Hirsch zu den gesellschaftlichen Thieren gehöret, welche sich gern in ganzen Herden beysammen halten.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 2. Leipzig 1796, S. 1205.
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