Weil

[1454] Weil, eine Partikel, welche auf eine gedoppelte Art gebraucht wird. 1. Als ein Adverbium der Zeit. (1) So lange als; eine großen Theils veraltete Bedeutung, welche um der Kürze willen noch zuweilen von den Dichtern gebraucht wird; außer dem aber noch im gemeinen Leben üblich ist. Das ist nicht geschehen, weil ich denken kann.


Man wird dich, Herr, mit Ehrfurcht preisen,

Weil Gott und Monde sind,

Opitz. Ps. 72.


O mein Dank soll nicht ermüden,

Weil mein Busen athmen kann,

Raml.


Wo es aber mit der folgenden Conjunction leicht eine Zweydeutigkeit machen kann. (2) Indem, diejenige Handlung zu bezeichnen, während welcher etwas geschehen ist, wie dieweil; am häufigsten in der vertraulichen Sprechart. Er brachte fünf Gulden, weil ich zu Hause war, Gell. Weil ich vorhin mit der Frau Nachbarinn auf dem Saale rede, so fällt etwas in der Küche, eb. ders. Im Englischen in dieser Bedeutung whilst. 2. Als eine causale Conjunction, einen Beweis und Grund des Vorhergehenden oder Nachfolgenden auszudrucken. Der Himmel weiß, daß ich bloß deswegen so betrübt bin, weil sie mein Herz für so niedrig halten, u.s.f. Gell. Weil du gefehlet hast, so mußt du Strafe leiden.

Anm. Diese Partikel ist mit dem folgenden Hauptworte Weile Eines Stammes, und ohne Zweifel die Wurzel desselben, indem auch die Conjunction denn bloß eine Figur von dem Adverbio denn ist. Indessen besinne ich mich doch nicht, diese Partikel bey unsern ältesten Oberdeutschen Schriftstellern angetroffen zu haben. Kero gebraucht für die Conjunction weil, dants, dann. Im Oberdeutschen ist dafür noch um willen üblich.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1454.
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