Der Magnet

[18] Der Magnet, eine besondre und berühmte Art von Eisenstein, welcher sich fast in allen reichhaltigen Eisengruben findet. Er hat die ihm eigenthumliche Kraft, das Eisen und folglich auch Stahl an sich zu ziehen und festzuhalten; eine Wirkung, die sich, wenn die Körper leicht beweglich sind, schon in ziemlicher Entfernung äußert, auch nicht geschwächt wird, wenn man gleich zwischen den Magnet und den angezogenen Körper ein Zwischenmittel bringt, wofern nur dasselbe nicht Eisen oder eisenartig ist (so wirkt der Magnet durch Holz Glas u. s. f.). Gemeiniglich hat ein Magnet zwei Punkte oder Pole, welche diese Anziehung gegen das Eisen am stärksten zeigen, und zu gleicher Zeit sich, wenn der Magnet frei schwebt, beständig gegen Norden und Süden, jedoch mit einiger Abweichung, kehren. Die letztere Eigenschaft, welche die Alten nicht kannten und die sich auf die magnetischen Pole der Erde gründet welche letztere selbst wie ein Magnet wirkt, hat die so nützliche Erfindung des Eompasses veranlaßt (s. Compaß). Zwischen diesen beiden Polen findet eine entgegengesetzte Anziehung Statt, so daß der Südpol eines Magnets von dem Nordpole eines andern angezogen wird, während er vor dem Südpole desselben flieht. Uebrigens kann die anziehende Kraft eines Magnets sehr verstärkt werden, wenn man ihm stufenweise mehr Gewicht zu tragen giebt. Endlich kann man auch jedem Eisen und Stahl die magnetischen Eigenschaften durch Kunst geben; daher man auch die Magnete in natürliche und künstliche eintheilt. – Die Erklärung der magnetischen Kraft hat die Naturlehrer sehr beschäftigt. Es ist hier der Ort nicht, die verschiedenen Meinungen hierüber anzuführen; nur dieses ist noch zu bemerken, das die große Aehnlichkeit des Magnetismus mit der Elektricität (zwischen welchen sich jedoch auch mehreres Unähnliche findet) auf den Gedanken verleiten könne, daß beiderlei Phänomene durch eben dieselben Materien bewirkt werden.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 18.
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