Heisshunger

[366] Heisshunger wird ein meist plötzlich eintretendes, mit dem Gefühle allgemeiner Mattigkeit verbundenes, unwiderstehliches Verlangen nach Speisen genannt, das, wenn es nicht schnell befriedigt wird, selbst Ohnmachten herbeiführen kann. Dennoch reicht in den meisten Fällen schon eine geringe Menge von Speisen hin, es zu beschwichtigen. Der Heißhunger ist zwar mitunter in einer fehlerhaften Bildung mancher zur Verdauung wesentlich beitragenden Organe begründet, weit öfter aber nur ein Zeichen von gestörter Verdauungsthätigkeit, die dann gewöhnlich wieder von einer krankhaft gesteigerten Reizbarkeit des Magens und Darmkanals abhängt, und befällt am gewöhnlichsten schwangere, an Bleichsucht oder Hysterie leidende Frauenzimmer; ferner Personen, die mit Würmern, namentlich mit dem Bandwurme, behaftet sind, sich in der Wiedergenesung von schweren, fieberhaften Krankheiten befinden, sich häufig körperlichen Anstrengungen aussetzen müssen u.s.w. Öfter an Heißhunger leidende Menschen sind gewöhnlich mager, verdauen sehr mangelhaft, brechen häufig einen Theil der genossenen Speisen wieder aus, entleeren sie theilweise unverdaut und leiden nicht selten an Durchfall. Meist verschwindet der Heißhunger zugleich mit den Ursachen, welche ihn hervorbringen. Beruht er jedoch auf einer fehlerhaften Bildung mancher, bi der Verdauung beschäftigter Organe, so kehrt er immer von Zei zu Zeit zurück. In letzterm Falle ist es rathsam, sich nur solcher Nahrungsmittel zu bedienen, welche ein festes Gewebe haben und deshalb den Verdauungsorganen länger Widerstand leisten.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 366.
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