Reformation

[502] Reformation (lat.), Umgestaltung, Verbesserung, bes. die gegen das Papsttum und die mittelalterliche Kirche gerichtete Bewegung des 16. Jahrh., in deren Folge sich die luth. und reform. Kirche von der katholischen trennte. Der Haupturheber der R., Luther (s.d.), bezweckte zunächst nur die Abstellung der Mißbräuche; die Leipziger Disputation 1519 lehrte ihn, daß auch die Kirchenlehre nach der Schrift gerichtet werden müsse, und so brach er 1520 durch die Verbrennung der Bannbulle mit dem Papsttum. Die Hauptdaten der deutschen R. (über die schweizerische s. Reformierte Kirche) sind: Luthers Auftreten mit den 95 Thesen über den Ablaß am 31. Okt. 1517; seine drei Reformationsschriften von 1520: »An den christl. Adel deutscher Nation«, »Die babylon. Gefangenschaft der Kirche«, »Von der Freiheit eines Christenmenschen«; Luthers Erscheinen auf dem Reichstage zu Worms 1521; die Reichsacht über ihn, 26. Mai; Übersetzung des N. T. auf der Wartburg (erschien 1522, die ganze Bibel 1534); Dämpfung des Wittenberger Bildersturms durch Luther 1522; Erklärung der R. zur innern Landessache jedes deutschen Einzelstaates auf dem Reichstag zu Speyer 1526; Neueinrichtung des Kirchenwesens auf evang. Art durch Kirchenvisitationen und Kirchenordnungen (in Kursachsen 1528-29); Protestation zu Speyer 19. April 1529 (s. Protestantismus); Reichstag zu Augsburg 1530 (Vorlegung der Augsburgischen Konfession); Schmalkaldischer Bund (s.d.) 1531; Nürnberger Religionsfriede 1532; Abfassung der Schmalkaldischen Artikel (s.d.) 1537 für ein versprochenes Konzil; Abschluß des Heiligen Bundes der kath. Fürsten zu Nürnberg (s. Liga) 1538; Regensburger Interim (s. Interim) 1541; 1545 Eröffnung des Konzils von Trient; Schmalkaldischer Krieg 1546-47; Augsburger Interim 1548; Passauer Vertrag (s.d.) 15. Juli 1552; staatliche Anerkennung der Lutheraner im Augsburger Religionsfrieden 26. Sept. 1555 (1648 auch auf die Reformierten ausgedehnt). Im Innern wurde die R. teils durch die sog. Schwarmgeister (Karlstadt, Wiedertäufer etc.), teils durch erbitterte Lehrstreitigkeiten gefährdet, welche 1580 zum Erlaß der Konkordienformel (s.d.) führten, die den orthodoxen luth. Lehrbegriff feststellte. Vielfach [502] mit blutiger Gewalt unterdrückt (s. Gegenreformation), hat doch die R. fast bei allen german. Völkern gesiegt. – Vgl. Marheineke (2. Aufl. 1831-34), Häusser (2. Aufl. 1879), Ranke (7. Aufl., 6 Bde., 1894), Hagenbach (5. Aufl. 1887), von Bezold (1887-90), Egelhaaf (1887-92 u. 1893), vom kath. Standpunkt: Döllinger (3 Bde., 1846-48, Bd. 1, 2. Aufl. 1851); Janssen, »Geschichte des deutschen Volks«, Bd. 2 u. 3 (18. Aufl. 1897).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 502-503.
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