Elfenbeinarbeiten

[150] Elfenbeinarbeiten. Das Wort Elfenbein ist mhd. helfantbein, da mhd. der Elefant helfant heisst. Schon seit dem frühesten Mittelalter wurde geschnitztes Elfenbein zum Schmucke von Altären, von kirchlichen Geräten, für kostbare Büchereinbände um so lieber angewendet, als der Elefant nach Notker Labeo als ein chiusche fieô, ein keusches Vieh galt. Die Elfenbeinarbeiten, Reliefs von sehr ungleicher Grösse, bald zum Schmucke von Gefässen und selbst von grösseren Geräten nicht selten fabrikmässig zum voraus gefertigt, bald auch als selbständige Kunstwerke bearbeitet, schliessen sich in den ersten Jahrhunderten nach Stil und Inhalt vorherrschend antiken Vorbildern an. Später tritt das christliche Element in den Vordergrund. Sehr beliebt waren unter den aus antik heidnischem in christlichen Gebrauch hinübergewanderten Geräten die Diptychen (siehe diesen Art.). Auch zu den Pyxiden, kreisrunden Büchsen, welche von dem Ciborium, dem Schirmdache des Altares herunterhängend, zur Aufbewahrung des heiligen Brotes dienten, wurden öfter heidnische Werke, Schmuck- und Toilettenkästchen, benutzt. Im eigentlichen Mittelalter bediente man sich des Elfenbeins nicht bloss zu kirchlichen Zwecken, zu Reliquiarien, Bücherdeckeln, für kleinere Tragaltäre, sondern auch für Geräte des weltlichen Luxus, Jagd- und Trinkhörner, Becher, Geisseln, Lanzenschäfte, Schmuckkästen, Spiegelkapseln, ja ganze Sättel. Die Gotik war der Elfenbeinskulptur nicht günstig, erst in den letzten Jahrhunderten wird die Kunst, namentlich an Schmuckgefässen und Geräten profanen Zweckes, wieder erneuert, besonders in Nürnberg und Augsburg, wo der Elefantenzahn[150] in seiner ganzen Rundung zu Humpen und Krügen, ganz mit Reliefs umgeben, bearbeitet wurde.

Quelle:
Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 150-151.
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