Datura

[288] Datura, Stechapfel, eine der giftigsten Gattungen aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solaneae), ausgezeichnet durch eine in 4 Klappen aufspringende, vielsamige, meist mit dornigen Stacheln besetzte Kapsel u. schönen, häufig wohlriechenden, weißen oder violetten Trichterblumen, wegen deren mehrere Arten derselben in Gärten und Gewächshäusern gezogen werden, so namentlich D. ceratocaula, fastuosa (mit weißen doppelten und mit weiß und violett bunten Blumen), sanguinea u.s.w. Vergl. auch Brugmansia. – Der gemeine Stechapfel, D. stramonium, ist in allen seinen Theilen giftig, gehört unter die stärksten narkotischen oder scharfnarkotischen Pflanzengifte und sein bemerkenswerthester Bestandtheil ist das Daturin, ein Alkaloid, das sich in krystallinischer Form darstellen läßt und keinen Geruch, aber einen anfangs bitterlichen, dann sehr scharfen tabakähnlichen Geschmack besitzt und höchst giftig wirkt. Zufällige Vergiftungen mit Stechapfelsamen sind nicht gerade selten. Man erkennt sie an Uebelsein, Schwindel und Kopfweh, verbunden mit einer eigenthümlichen Aengstlichkeit, an Erweiterung des Sehlochs und an getrübtem Sehvermögen bis zum gänzlichen Erlöschen [288] desselben; dabei entwickelt sich häufig ein völlig trockener Zustand mit krampfhaftem Lachen, Zuckungen, oft eine förmliche Wasserscheu. Der Tod erfolgt durch Schlagfluß. Die Behandlung solcher Vergiftungen kommt ganz mit der durch Atropa Belladonna überein. – Der Stechapfelsamen ist ein sehr geschätztes Arzneimittel und Erwähnung verdienen die für Asthmatiker bereiteten D.cigarren.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 288-289.
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