List

[7] List, Friedr., geb. 1789 zu Reutlingen, war zuerst Professor der Staatswirthschaft in Tübingen, 1820 Deputirter, wanderte 1825 wegen eines polit. Processes nach Nordamerika aus, wo er die »Grundzüge eines neuen Systems der politischen Oekonomie« (Philadelphia 1827) schrieb, für den Eisenbahnbau thätig war, Ansehen gewann und 1832 als Consul nach Leipzig geschickt wurde. Seitdem arbeitete er ununterbrochen daran, den Deutschen begreiflich zu machen, welchen Nutzen ein deutsches Eisenbahnsystem u. ein deutsches Schutzzollsystem haben müßte. In letzterer Beziehung schrieb er das »Nationale System der politischen Oekonomie«, Stuttgart 1841, gründete zu Augsburg (bei Cotta) das Zollvereinsblatt, mußte aber die alten Einwürfe hören, die von jeher gegen den Schutz der Industrie erhoben wurden, hinter welche sich die Antipathie der großen Grundbesitzer gegen die Fabrikherren, das Interesse der Kaufleute, welche Deutschland mit ausländischen Fabrikaten versorgen, vor allem aber die Furcht einzelner Dynasten verstecken, eine Zoll- u. Handelseinigung des ganzen Deutschland könnte zu einer politischen Einigung führen. L. erschöpfte sich in dem Ringen für seine nationale Idee, verzweifelte an dem endlichen Erfolge u. tödtete sich auf einer Erholungsreise im Tyrol 1846. (»Gesammelte Schriften« nebst Biographie von Häusser, 3 Bde., Stuttg. und Tübingen bei Cotta 1850–51.)

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Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 7.
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