[99] 1.
Lob' Ehr' und Preiß/
Ich dir erweiß
JESU du Cron der Ehren!
Weil deine Gunst/
Und Liebes-Brunst/
Sich Zeit für Zeit vermehren.
2.
Du hast den Tag
Der grimmen Plag
Gantz brüderlich gewehret/
Daß kein Unglück/
Noch Hohn noch Tück/
Der Feinde mich gefähret.
3.
Erscheine mir
O meine Zier
Auch diese Nacht in Gnade/
Daß keine Noth
Noch Fall noch Todt
Dem dir Vertrauten schade.
4.
Ich lege mich
Mein Heil auf dich
Und ruh' in deinen Wunden
Mein Hertz verbleib
Wach; ob den Leib
Gleich hält der Schlaff gebunden.
5.
Ich kan ja nicht
Ohn dich mein Licht
Die schwere Zeit hinbringen!
Es würde leicht
Der um uns schleicht
Dein schwaches Kind bespringen.
6.
Mit Macht und List
Ist er gerüst
Reiß mich aus seinen Klauen.[100]
Laß mich gesund
Die Morgen-Stund
Durch deinen Beystand schauen.
7.
Mein Geist und Blut/
Und Haab und Gut
Sey deiner Treu ergeben!
Ich bleibe dein:
Du bleibest mein/
In Sterben und im Leben.
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»Fanni war noch jung und unschuldigen Herzens. Ich glaubte daher, sie würde an Gamiani nur mit Entsetzen und Abscheu zurückdenken. Ich überhäufte sie mit Liebe und Zärtlichkeit und erwies ihr verschwenderisch die süßesten und berauschendsten Liebkosungen. Zuweilen tötete ich sie fast in wollüstigen Entzückungen, in der Hoffnung, sie würde fortan von keiner anderen Leidenschaft mehr wissen wollen, als von jener natürlichen, die die beiden Geschlechter in den Wonnen der Sinne und der Seele vereint. Aber ach! ich täuschte mich. Fannis Phantasie war geweckt worden – und zur Höhe dieser Phantasie vermochten alle unsere Liebesfreuden sich nicht zu erheben. Nichts kam in Fannis Augen den Verzückungen ihrer Freundin gleich. Unsere glorreichsten Liebestaten schienen ihr kalte Liebkosungen im Vergleich mit den wilden Rasereien, die sie in jener verhängnisvollen Nacht kennen gelernt hatte.«
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