Ein Schäfflein außerkorn
Such ich so manchen tag,
Hat sich so gar verlorn,
Daß mans nitt finden mag.
Will ruffen laut mit heller stimm,
Wer weiß obs ich nit bald vernim.
Schäfflein, Schäfflein, wo hast verkrochen dich?
Ach folge mir: hilff selber dir,
Nit lang laß suchen mich.
Ach, ach, du liebes blut,
Wer dich nur finden köndt,
Wie bald mir hertz vnd muth,
In lauter frewden stünd?
Starck ruffen will ich widerumb,
Wer weiß es möchte kehren vmb?
Schäfflein Schäfflein, mein junges thierlein zart,
Wo solle dann: dich treffen an?
Weil bin betrübet hart.
Ach was wird dencken doch
Der fromme Vatter mein?
Daß ich außbleibe noch,
Mit seinem Schäffelein?
Will vnterdeß ihm sprechen zu,
Sonst findet er auch keine ruh:
Vatter, Vatter, hoff bald in kurtzer weil,
In jenem thall, ich ie zumahl
Es endlich doch ereyll.
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Ey da, da duncket mich
In jener stauden dick,
Hör ichs bewegen sich,
In schnellem augenblick:
Halt, halt, da wird es warlich sein,
Will ruffen starck zum wald hinein:
Schäfflein, Schäfflein, du liebstes Schäfflein mein,
Kehr widerumb: kehr widerum,
Sehr groß ist meine pein.
Ach aber nein, ach nein,
Ist noch mein thierlein nitt:
Bey Sonn- vnd Monat-schein,
Muß thun noch manchen tritt;
Muß immer, immer ruffen fort,
Durch berg vnd thall, vnd aller ortt:
Schäfflein, Schäfflein, was will ich fangen an?
Ach lauter ach, ô trübe sach!
Weill dich nit finden kan.
Ey da, da treff ich an
Ein Creutzbaum wol bekandt,
Auff einem berge stahn,
Calvarien genandt:
Hie duncket mich, hats seinen lauff:
Hie muß ich starcker schreien auff:
Schäfflein, Schäfflein, nun bin ich aller matt;
Dein warten hie: noch weichen ie,
Will ich von dieser statt.
Mehr kan ich leben kaum,
Für matt- vnd müdigkeit,
Lehn mich an disen baum,
Zu sterben bin bereit.
Ach Thierlein zart, ach kemest doch!
Weil kleine zeit ich lebe noch,
Vatter, Vatter, nun ruff ich allermeist:
In deine händ: zu dir gewend,
Befihl ich meinen geist.
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