Influenz [1]

[193] Influenz (statische Induktion, verteilende Fernwirkung), die Bildung magnetischer bezw. elektrischer Ladungen durch scheinbare Fernwirkung gegebener Ladungen auf magnetisierbare Körper bezw. elektrische Konduktoren (s. Magnetismus und Elektrizität).

Ein Stück weichen Eisens wird in der Nähe eines Magnetpols zum Magnet. Zwei sich berührende Metallkugeln laden sich bei Annäherung einer Ladung, die nähere ungleichnamig, die fernere gleichnamig. Nach ihrer Trennung und Entfernung von der primitiven Ladung enthält die eine freie positive, die andre freie negative Ladung. Um die Erscheinungen der Influenz mit dem Coulombschen Gesetz der Anziehung ungleichnamiger und der Abstoßung gleichnamiger Ladungen in Einklang zu bringen, hat man die Annahme gemacht, daß der neutrale Körper mit unbegrenzt großen Mengen sich bindender positiver und negativer Ladungen erfüllt sei, deren Trennung durch die bei der Annäherung und Entfernung gegen und von der primitiven Ladung verrichtete Arbeit bewirkt wird. Die Stärke der magnetischen Influenzwirkung ist der Magnetisierungszahl (s. Magnetismus) des magnetisierten Körpers und der Stärke des magnetischen Feldes proportional. Die elektrische Influenz wirkt auch auf Isolatoren, die, entsprechend ihrer Dielektrizitätskonstante (s.d.), in einen Zustand elektrischer Spannung versetzt werden.

Aug. Schmidt.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 193.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: