Pyrrŏl

[486] Pyrrŏl C4H5N oder CH.CH.NH.CH.CH findet sich in den Produkten der trocknen Destillation von Steinkohlen, bituminösen Schiefern, Knochen, Knochenleim etc. und entsteht auch beim Erhitzen der Ammoniaksalze der Zuckersäure und Schleimsäure mit Glyzerin auf 200°, beim Durchleiten von Acetylen und Ammoniak durch glühende Röhren etc. Es bildet eine farblose, stark lichtbrechende Flüssigkeit, die sehr bald gelb, dann dunkelbraun wird, riecht chloroformartig und schmeckt heiß und stechend, spez. Gew. 0,975, es ist wenig löslich in Wasser und wässerigen Alkalien, leicht löslich in Alkohol und Äther, siedet bei 131°. Es bildet keine beständigen Salze, die Lösungen in Säuren zersetzen sich leicht in Ammoniak und Pyrrolrot. Dagegen kann der Wasserstoff in der Imidgruppe durch Kalium ersetzt werden, wobei kristallisierbares Pyrrolkalium entsteht. Ebensoleicht oder noch leichter werden die Methinwasserstoffe im P. durch die verschiedensten Gruppen oder Atome vertreten. Bei Behandlung von P. mit Zinkstaub und Essigsäure entsteht Dihydropyrrol oder Pyrrolin C4H7N und bei Behandlung mit Phosphor und Jodwasserstoff Tetrahydropyrrol oder Pyrrolidin C4H9N. Diese Körper zeigen stark basische Eigenschaften. Ein mit Salzsäure getränkter Fichtenspan färbt sich in Pyrroldämpfen schön rot. P. und Pyrrolidin sind die Muttersubstanzen mancher Alkaloide. Tetrajodpyrrol ist das Jodol. Vgl. Ciamician, Il pirrolo ed i suoi derivati (Rom 1888); J. Schmidt, Die Chemie des Pyrrols und seiner Derivate (Stuttg. 1904).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 486.
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