Zauberspiegel

[857] Zauberspiegel (Weltspiegel), nach einem alten, aus dem Orient stammenden Aberglauben ein Spiegel, in dem man sehen kann, was in der ganzen Welt vorgeht, auch das unterirdische Erz und Gestein (im Er d- oder Bergspiegel), verborgene Schätze, das Vergangene und Zukünftige. Solche Spiegel waren derjenige der japanischen Sonnengöttin Amaterasu, der Zauberbecher des persischen Sonnenheros Dschemschid und der Spiegel des Dionysos.

Chinesischer Zauberspiegel (Rückseite).
Chinesischer Zauberspiegel (Rückseite).

Im Mittelalter gab unter andern Agrippa von Nettesheim vor, solche Z. aus sieben Metallen verfertigen zu können. Im Volksglauben spielt der unter Beobachtung gewisser Formalitäten, am Grabe einer Wöchnerin, gewonnene Z. eine Rolle. In China und Japan werden seit Jahrhunderten Metallspiegel angefertigt, die in ihrem Spiegelbild die Figuren erkennen lassen, die auf ihrer Rückseite in Relief ausgeprägt sind. Es handelt sich dabei um Oberflächenverschiedenheiten der leicht konvexen Spiegelfläche, die durch eine besondere Behandlung bei der Politur erzeugt werden und direkt nicht wahrnehmbar sind (s. Abbildung). An den durch die Reliefs verdickten Stellen gibt die Platte beim Polieren nicht nach und wird daher blanker als an den dünnern Stellen, und ganz geringe Unterschiede in der Politur müssen sich bei der Spiegelung bemerkbar machen. Es gibt auch Z., die unerkennbar aus zwei Platten bestehen und ein Spiegelbild der zweiten Platte geben, deren Relief nicht sichtbar ist.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 857.
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