Flechte [2]

[338] Flechte (Herpes, Med.), 1) chronische Hautkrankheiten aller Alter, Geschlechter, Gesunder wie Kränklicher, auf längere od. kürzere Zeit wohl Jahre, ja lebenslang dauernd, oft wiederkehrend, meist truppweise, Bläschen od. Knötchen, selten Pusteln auf einer rothen Grundfläche bildend, eine lymphatische Flüssigkeit aussondernd, Schuppen od. Krusten bildend, mit Jucken u. Brennen verbunden, bald an einer Stelle bleibend, bald weiter schreitend (Serpigo), od. die Stellen wechselnd. Nach dem Ansehen unterscheidet man Kleien-, Mehl-, Gries-, Blasen-, Glas-, Friesel-, Rosenartige F., Blatterflechten. Die fressende F. (Salzfluß) bildet schorfähnliche Schuppen, welche abfallen u. immer wieder neu entstehen. Die Krankheit, welche in den mildesten Graden (Schwinden) oft kaum beachtet wird, verdient immer Berücksichtigung. Die Disposition zu dieser Krankheit u. ihr Bezug auf andere Übel nennt man Flechtenschärfe, obgleich eine solche eine hypothetische Annahme ist. Diät ist das beste Mittel, sich von F-n zu befreien. Nur die schlimmeren Arten erfordern eine wirkliche Cur, in welcher Hinsicht sogenannte blutreinigende Mittel, Holzthee, Mercurialmittel, Schwefel- u. Spießglanzmittel, der Graphit Schwefelbäder, Sool-, See-, Seifenbäder u. m., nach Umständen sich hülfreich erwiesen haben. In Cannstadt bei Stuttgart ist eine Curanstalt für F-n. Die F. von Aleppo ist so v.w. Aleppokrankheit, s.d. Vgl. Jos. Polya, Observationes de herpete etc. et remedio novo anthrakokali, Pesth 1837 (deutsch von Sigmund, ebd. 1837); Fränkel, Die Flechten u. ihre Behandlung, 2. Aufl., Elberfeld 1840. 2) Dieselbe Krankheit kommt auch bei mehreren Hausthieren, bes. älteren, vor; vgl. Gerlach, Die Flechten des Rindes, Berl. 1857.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 338.
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