Naht

[654] Naht (in der Mehrzahl Nähte), 1) das Zusammennähen von zwei Stücken Zeug od. Leder an einander. Man unterscheidet die Nähte nach der Art, die Nadel zu führen, u. nach der Art, wie die N. gemacht wird, als: a) Vorstich- od. Vor der stich naht, es wird dabei immer geradaus vorwärts gestochen; b) die Hinterstichnaht, mit Hinterstichen, d.h. eine N., welche da angewendet wird, wo zwei Stücken dicht u. fest zusammengenäht werden sollen; man hält die Nadel dabei immer horizontal u. sticht weiter rückwärts in das Zeug hinein, als wo man bei dem letzten Stiche herausgestochen hatte; c) die überwendliche N., bei welcher der Faden über den Rand der beiden Zeugstücke herumgreift u. immer von unten od. immer von oben in das Zeug gestochen wird; d) die Kreuznaht, wenn zwei kleine Stiche so zusammengesetzt werden, daß sie sich durchkreuzen, u. auf diese Weise zwei Stückchen zierlich zusammengenäht werden; e) Stricknaht wenn man Anfangs bei dem Stich den Faden nicht ganz anzieht, sondern eine kleine Schlinge läßt, die Nadel unter dieser Schlinge hindurchzieht u. nun erst den Faden fest anzieht; f) die Stoßnaht, wenn zwei Stücken starkes Zeug nicht auf, sondern neben einander gelegt u. nun überwendlich zusammengenäht werden, doch so, daß die Stiche nicht ganz durch das Zeug hindurch gehen; sie wird bes. vom Schneider bei Tuch angewendet; g) die Stoppnaht, ist eine Stoßnaht mit Kreuzstichen; h) die Steppnaht, ist eine N. mit Hinterstichen, wo man aber gerade in den vorletzten Heraufstich wieder hinabsticht, auf beiden Seiten zeigt sich der Nähfaden ununterbrochen, Stich an Stich, auf der rechten Seite überall nur einfach, auf der linken theilweise doppelt; i) die Randerirnaht, wird bei dünnen wollenen Zeugen gebraucht; nachdem sie mit einer Vorderstichnaht zusammengenäht sind, wird die N. aufgerieben u. mit Kreuzstichen übernäht, wobei nur halb durch den Faden des Zeugs gestochen wird; k) die Saumnaht, mit welcher ein Saum od. eingeschlagener Rand fest genäht wird; l) die doppelte N., ist das Zusammennähen von zwei Stücken, deren Ränder in einander eingeschlagen u. durch zwei nahe an einander fortlaufende Nähte vereinigt werden; m) verborgene N., bei welcher die Stiche nicht ganz durch das Oberzeug hindurchgehen u. oft auf der oberen od. rechten Seite nicht gesehen werden; 2) der Ort, wo zwei Gegenstände zusammengefügt sind; 3) (Sutura, Chir.), Verbindung der durch Verwundung getrennten Theile, od. (wie bei der Hasenschartenoperation) absichtlich gemachter Wundränder, u. zwar als eigentliche blutige N. (Sutura vera s. cruenta), wenn die Vereinigung mittelst durchgestochener, gewöhnlich leinener od. seidener Fäden geschieht, zum Unterschied von trockener N. (S. sicca s. spuria), wo die Vereinigung durch Heftpflasterstreifen bewirkt wird. Jene ist entweder Knopfnaht (S. nodosa), wo die Wundränder einander so genähert werden, daß die auf beiden Seiten durchgezogenen Fäden durch zwei Knoten vereinigt werden; od. Zapfennaht (S. clavata), wo die doppelt eingeführten Fäden auf beiden Seiten auf, zwischen sie eingelegten kleinen Cylindern von Holz od. zusammengerollten Pflasterstreifen zusammengebunden werden; od. umwundene, umschlungene N. (S. intorta s. circumvoluta), wo die Wundränder mit silbernen od. goldenen Nadeln mit abschraubbaren Stahlspitzen durchstochen u. nach Entfernung letzter u. Vereinigung der Wundränder, od. auch nach gleicher Anwendung von Insectennadeln mit einem Faden mehrmals in Form einer 8 umwunden u. die Fadenenden dann vereinigt werden; od. Kürschnernaht (S. pellionum), wie die der Kürschner, vorzüglich für Darmwunden. 4) (Anat.), s. Kopfnähte; 5) (Rhaphe, Sutura, Bot.), die Linie, wo zwei Klappen zusammenstoßen; 6) die Stelle, wo zwei Stücken Blech zusammengenietet od. gelöthet siud; 7) Schweißfuge der Platine, aus welcher der Gewehrlauf gefertigt wird; 8) Gußnaht, die auf einem Gußstücke sich an den Stellen zeigenden linienförmigen Erhöhungen, wo die einzelnen Theile der Formzusammenstoßen; bei der weiteren Vollendung wird die Gußnaht durch Abschleifen od. Feilen beseitigt; 9) (in der Mehrzahl Nahten), der enge Raum zwischen zwei Planken eines Schiffes, welcher mit Werg ausgestopft wird, um sie dicht zu machen, sie heißen Längen- od. Quernahten, je nachdem sie im Schiffe der Läuge nach, d.h. horizontal od. vertical angebracht sind; N. eines Segels, die Streifen, wo die Segelkleider über- od. an einander genäht sind; daher platte N., runde N. etc.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 654.
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