Brand (1), der

[1147] 1. Der Brand, des -es, plur. die Brände, von dem Verbo brennen, in dessen beyden Gattungen.

1. Derjenige Zustand, in welchem ein Körper brennet, und gebrennet wird, ohne Plural. 1) Eigentlich. Warte bis das Feuer, bis das Licht in den Brand kommt. Den Brand einer Sache befördern. Das Feuer im Brande erhalten. Am häufigsten wird es im gemeinen Leben von einer Feuersbrunst, oder demjenigen Zustande einer Sache gebraucht, da sie von dem Feuer verzehret wird. Aber da gebraucht man es nur von großen Körpern, welche bey dem Verbrennen eine starke Flamme geben. In Brand stecken, oder setzen. Das Haus, das Dorf, das Schiff ist in Brand gerathen. Ein Haus von dem Brande (der Feuersbrunst) erretten. Einen Brand löschen. Auf den Brand betteln, wegen des durch eine Feuersbrunst erlittenen Schadens an seinem Vermögen betteln. S. Abbrennen und Brandbettler. Der letzte Brand zu Portsmouth war sehr heftig. Wenn das Wort in dieser Bedeutung auch von kleinen, geringen Dingen gebraucht wird, so geschiehet es gemeiniglich nur im Scherze. Auch in der thätigen Gattung des Verbi brennen, bedeutet Brand zuweilen die Handlung, da man eine Sache in Brand setzet, oder auch nur durch Brennen eine gewisse Wirkung hervor bringet. Der Brand der Ziegel, des Kalkes, des Porzellans u.s.f. So ist der Brand zuweilen auch eine chirurgische Operation bey Menschen und Thieren, da man schadhafte Theile brennet. Auch die Einbrennung eines Zeichens heißt im gemeinen Leben mehrmahls ein Brand. Den Brand vornehmen. 2) Figürlich. (a) Eine Krankheit bey Menschen, Thieren und Gewächsen, welche wie ein brennendes Feuer schnell um sich greift, weil die innern Theile in eine tödtliche Entzündung gerathen. Der kalte Brand, Schwed. Kallbrand, welcher die Gefäße und Muskeln angreift, und bey welchem die entzündeten Theile schwarz werden und absterben, Sphacelus. Der heiße Brand, die Fäulniß der flüssigen Theile, Gangraena. Den Brand bekommen. Der Brand ist dazu geschlagen. Auch der Beinfraß, caries, wird zuweilen der Brand, der Gliederbrand, oder Knochenbrand, besonders bey Thieren, genannt. Bey dem Viehe, besonders dem Rindviehe und den Schafen, hat man außer den jetzt angeführten noch einige andere Arten dieser Krankheit. Dahin gehören der schwarze oder innerliche Brand, der Herzbrand, wobey das Thier plötzlich umfällt und stirbt, worauf das Fleisch schwarz und verbrannt aussiehet, welcher Brand[1147] aber eigentlich eine Art des Schlages ist; der weiße Brand greift die innern Theile an, besonders die Leber, welche alsdann braun und dick wird, in welchem Falle er der Leberbrand genannt wird. Der Brand an den Bäumen macht den Stamm inwendig um das Mark schwarz und anbrüchig, und verzehret auch die Rinde von außen, so daß sie ganz schwarz aussiehet. Bey den Weinstöcken kennet man einen doppelten Brand, oder wie man ihn in Oberdeutschland und Franken nennet, Brenner, den rothen Brand, der in Franken auch Laubrausch heißt, weil er nur das Laub angreift und es roth und dürre macht, und den schwarzen Brand, der schwarze Flecken an den Beeren und an dem Holze hervor bringt. S. Brenner. Beyde Arten hält man für eine Wirkung schädlicher Dünste. Der Brand in dem Getreide hat seinen Nahmen bloß von der schwarzen verbrannten Farbe, welche die damit behafteten Körner des Getreides haben, und bestehet nach den neuesten Beobachtungen aus gewissen Würmern, oder vielmehr aus kleinen Eyern eines unmerklich kleinen Insectes, welche sich mit Aussaugung des Kornes weiter fortpflanzen. Das Korn, welches davon betroffen wird, ist größer, als gewöhnlich, und von außen oft schwarz. Man kennet im gemeinen Leben eine dreyfache Art dieses Brandes: den Steinbrand, der besonders den Weitzen anfällt, und wobey das Mehl in den Körnern verderbt wird und schwarz aussiehet; das Mutterkorn, der in dem Rocken am häufigsten ist, S. dieses Wort; und den Staub- und Flugbrand, der in dem Weitzen, Gersten und Hafer angetroffen wird, und das Korn in einen schwarzen Staub verwandelt. Im Franz. heißt dieser Fehler des Getreides Nielle, Brulure, im Italiän. Fuligine, Volpe, Nigella, bey den Alten Fuligo oder Uredo, im Oberdeutschen auch der Brenner. S. Brandkorn und Mutterkorn. (b) Eine große Dürre und Hitze, doch nur in der biblischen Schreibart. Wenn eine Theurung, oder Pestilenz, oder Dürre, oder Brand -im Lande seyn wird, 1 Kön. 8, 37; 2 Chron. 6, 28. (c) Eine heftige verzehrende Leidenschaft, besonders der Liebe, welche in allen Sprachen und Jahrhunderten ein Feuer genannt wird.


Vielleicht bereut sie schon den unglückselgen Brand,

Weiße.


Und was in diesen Blicken

Ein stiller Brand mir schien,

Weiße.


Obgleich das Wort in dieser ganzen Bedeutung der Regel nach keines Plurales fähig ist, so findet sich doch derselbe zuweilen, und zwar nicht nur im gemeinen Leben, sondern selbst bey den Dichtern in figürlicher Bedeutung, besonders in den vorigen Zeiten. Die Brände im Walde.


Die Seele

Will unter heißen Bränden

Ihren tollen Lauf vollenden,

Gryph.


Ihr fühlt den Puls, ihr merkt die schnellen Brände,

Gryph.


Dämpfet die Brände der irdischen Lust,

Gryph.


2. Was da brennet oder gebrannt hat; und zwar, 1) eigentlich. So wird ein brennendes Stück Holz im gemeinen Leben häufig ein Brand genannt, im mittlern Lateine Branda. Ein glimmender, ein rauchender Brand. Er wurde noch wie ein Brand aus dem Feuer gerissen, figürlich, er wurde plötzlich aus einer großen Gefahr errettet. Auch wenn dieses Holz nicht mehr brennet, aber doch ehedem gebrannt hat, heißt es noch ein Brand, und zuweilen auch ein Löschbrand, d.i. ein gelöschter Brand. Auf eben diese Art führen unausgebrannte Kohlen, Rauchkohlen, im gemeinen Leben auch den Nahmen der Brände, oder Bränder. 2) Figürlich, was eine verbrannte Gestalt hat, was so aussiehet, als wenn es ein Mahl gebrannt hätte, von der[1148] gelben oder noch häufiger von der schwarzen Farbe. So nennen die Jäger den schwarzen Flecken, welchen die Hirsche zur Brunftzeit unter dem Zaume bekommen, den Brand. In den Blechhütten ist es der gelbliche Strich unten an der Blechtafel, der von dem Abstreifen der überflüssigen Zinntropfen mit einem ledernen Handschuhe herrühret. S. auch Brandfuchs, Brandhirsch und andere Zusammensetzungen mehr, wo dieses Wort so viel als braun, schwärzlich, dunkel bedeutet.

3. Was zum Anzünden, oder zum Verbrennen dienet. In diesem Verstande wird nicht nur im gemeinen Leben das nöthige Brennholz, zuweilen der Brand, oder Verbrand genannt, sondern bey den Feuerwerkern heißt auch ein Zünder, der so lange brennet, bis eine Brandkugel an denjenigen Ort kommt, wo sie zünden soll, ingleichen das geriebene und mit Kohlenstaub vermengte Pulver, welches zu solchen Zündern, Lauffeuern u.s.f. genommen wird, und eine helle Flamme und Funken gibt, der Brand. O sprich, wer war des Kriegs unselger Brand? Weiße.


Wer zündete oder stiftete diesen Krieg an?


4. So viel als man auf Ein Mahl durch das Feuer zubereiten oder brennen kann, bey verschiedenen Arbeitern. Ein Brand Ziegel, so viel Ziegel, als auf Ein Mahl in dem Ziegelofen gebrennet werden. Zwey Brände Pech. Drey Brände Kalk. 5. Der Ort, wo ein Feuer gebrannt hat, oder wo etwas eingebrennet worden. So heißt diejenige Stelle, wo man sich mit Feuer und siedendem Wasser verbrannt hat, im gemeinen Leben der Brand. Eben diese Benennung führen auch die Zeichen, welche man Thieren oder andern Dingen einbrennet; ja zuweilen werden auch solche Zeichen ein Brand genannt, die nur durch Scheidewasser eingeätzet worden. Plätze im Walde, welche durch das Feuer verwüstet worden, heißen nicht nur Brandstätten und Brandplätze, sondern zuweilen auch nur schlechthin Brände, welchen Nahmen auch figürlich unfruchtbare Stellen auf dem Acker führen, wo nichts fortkommen will; S. Brandader. Ein neu ausgereutetes Feld, ein Neubruch, wurde ehedem gleichfalls ein Brand genannt, vermuthlich, weil man das Holz auf demselben mit Feuer vertilget hatte.

6. Der Schmutz, welcher von dem entzündeten Pulver in dem Gewehre verursachet wird. Auf den Brand laden, ohne das Gewehr vorher zu reinigen. Der Brandschuß, welcher aus einem schmutzigen Gewehre geschiehet.

Anm. Brand, in den verwandten Holländischen, Dänischen und Schwedischen Mundarten gleichfalls Brand, kommt von brennen, wie Stand von stehen. Indessen hat es doch darin etwas besonderes, daß der harte Mitlauter des Verbi in dem Hauptworte in den verwandten weichern verwandelt wird, welches sonst nicht üblich ist. In einigen Zusammensetzungen stehet Brand deutlich genug für das Participium brannt oder gebrannt. Bey dem Verfasser des alten Gedichtes auf den heil. Anno lautet das Hauptwort schon Brand. Unser d rühret vermuthlich von einer veralteten Form des Verbi her, wovon noch in dem Holländischen eine Spur vorhanden ist, wo branden, brennen bedeutet. S. Brandung. Im Französischen ist Brandon eine Fackel. Wenn Brand titionem bedeutet, so lautet es in den gemeinen Mundarten im Plural oft Bränder. Ehedem gebrauchte man dieses Wort auch in der figürlichen Bedeutung des Scheines, Glanzes, welche noch in den eigenthümlichen Nahmen Hildebrand, u.s.f. zum Grunde liegen soll. Aus eben dieser figürlichen Bedeutung leitet Ihre auch die Bedeutung eines Schwertes her, welche dieses Wort in den mittlern Zeiten in mehrern Sprachen hatte, wie aus dem Schwed. und Schottländ. Brand, dem Altfranzös. [1149] Brand, und dem Ital. Brando erhellet. In der im gemeinen Leben üblichen figürlichen Redensart, einem auf den Bränden liegen, d.i. ihn nicht aus den Augen lassen, genau auf ihn Acht haben, stehet Brände vermuthlich für Branten. S. Brante.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 1147-1150.
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