Kiesel

[598] Kiesel ist ein auf der Erde sehr verbreitetes Geschlecht der Mineralien, dessen Hauptbestandtheil die Kieselerde ausmacht, welche ihrerseits wieder eine Verbindung von einem chemisch einfachen nichtmetallischen Soffe, Silicium oder Kiesel und Sauerstoff ist. Die Kieselerde macht einen Hauptbestandtheil des Erdkörpers aus, soweit wir denselben kennen. Man findet sie theils rein als Quarz (Bergkrystall, Amethyst), Feuerstein u.s.w., theils mit andern Erden und Metalloxyden gemengt oder gemischt. Auch in organischen Körpern findet man sie, wiewol hier nur in geringer Menge, als sogenanntes Tabasheer, abgesondert in den Knoten des Bambusrohres u.s.w. In noch geringerer Menge als im Pflanzenreich ist sie im Thierreich vorhanden. Die natürlich vorkommende Kieselerde bildet mehr oder weniger hell durchsichtige Krystalle, ist sehr hart, sodaß sie am Stahl Funken gibt, zwei- bis dreimal schwerer als Wasser. Durch Kunst erlangt man sie noch reiner und dann stellt sie sich als ein weißes rauhes Pulver, das schwach an der Zunge klebt und keinen Geschmack hat, dar. Für sich allein ist die Kieselerde noch im stärksten Ofenfeuer unschmelzbar. Im Wasser und in Säuren ist sie nicht löslich; nur durch die Flußsäure wird sie angegriffen. Mit Soda und Potasche zusammengebracht und dem Feuer ausgesetzt schmilzt die Kieselerde zu Glas (s.d.), und dieses verdankt ihr seine Durchsichtigkeit und Härte und seine Unangreifbarkeit durch Säuren, mit Ausnahme der Flußsäure. Die Kieselerde selbst wird wegen ihrer Brauchbarkeit zur Glasbereitung glasachtige oder (lat.) vitrescible Erde genannt.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 598.
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