Mephitisch

[116] Mephitisch nennt man übelriechende Ausdünstungen und solche Luftarten, die bei Denen, welche sie athmen, fast augenblicklich lebensgefährliche Zufälle und selbst den Tod veranlassen und in denen kein Licht oder Feuer brennt, weil sie zu wenig oder gar keinen Sauerstoff enthalten. Sie bilden sich in Schwindgruben und Abtritten aus den daselbst angehäuften faulenden thierischen Stoffen, in lange verschlossen gewesenen Brunnen und Schleusen, zu denen die atmosphärische Luft wenig oder gar keinen Zutritt hat, bei dem Ausgraben bereits verfaulter Leichname, in den noch hier und da gestatteten Grüften, in Kellern, wo Bier und Wein in Gährung liegen, in lange verschlossenen unterirdischen Gewölben und Gefängnissen, und der Besuch solcher Orte ist daher nur nach vorhergegangener Lüftung und wenn hinabgelassene brennende Lichter nicht verlöschen, ohne Gefahr. Auch in Erz- und Kohlengruben und an Orten, wo Kohlen, Steinkohlen, nasses Holz verbrannt worden sind und wo viele Menschen und Thiere in einem engen Raume wohnen, ohne daß die Luft sich erneuern kann, entstehen solche mephitische Luftarten, zu denen vorzüglich das Ammoniakgas, das Schwefelwasserstoffgas, das Stickstoffgas, die Kohlensäure, das Kohlenwasserstoffgas u.s.w. und die verschiedenen Verbindungen, die sie unter sich eingehen, gehören.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 116.
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