Zorndorf

[812] Zorndorf, ein großes Dorf eine Meile von Küstrin an der Straße nach Soldin im preuß. Regierungsbezirke Frankfurt a. O. in der Provinz Brandenburg, ist durch den am 25. Aug. 1758 dort von Friedrich dem Großen in einer der merkwürdigsten Schlachten des siebenjährigen Krieges erfochtenen Sieg über die Russen geschichtlich merkwürdig. Friedrich beabsichtigte zu Anfang des Feldzugs von 1758 den Östreichern einen empfindlichen Schlag beizubringen, ehe die Russen denselben zu Hülfe kommen könnten, und war deshalb nach Mähren vorgegangen, wo er Olmütz belagerte. Er hoffte die Östreicher unter Daun zum Entsatz anrücken zu sehen und sie zu einer Schlacht nöthigen zu können, ward aber von dem raschen Vordringen der Russen unter General Fermor durch Preußen und Pommern gezwungen, sich zuerst wider diesen Feind zu wenden. In Eilmärschen ging er mit allen entbehrlichen Truppen denselben entgegen und vereinigte sich am 22. Aug. in der Nähe von Küstrin mit dem Corps des von den Russen zurückgedrängten Grafen Dohna. Die Russen hatten Küstrin schon seit dem 15. beschossen, hoben aber die Belagerung auf, als die Preußen, obgleich nur 32,000 M. stark mit 193 Kanonen, am 23. Aug. vier M. nördl. von der Festung die Oder überschritten hatten, und Fermor nahm mit 50,000 M. und 360 Kanonen vor Z. und hinter dem Miezelflusse eine durch Bäche, Teiche und sumpfige Wiesen von vorn wie von den Seiten gleich vortheilhaft gedeckte Stellung. Deshalb beschloß Friedrich die Russen ganz zu umgehen und vom Rücken her anzugreifen, überschritt am 24. in geringer Entfernung vom Feinde die Miezel und vollendete am 25. früh die Umgehung Fermor's, der nun seine Stellung änderte und ein großes Viereck mit dichten Massen bildete, das der Miezel dem Rücken kehrte. Die anrückenden Preußen formirten sich zwischen Z. und Wilkersdorf und um acht Uhr fing das preuß. Geschütz an, die dichten russ. Haufen zu beschießen. Als gegen Mittag der feindliche rechte Flügel in Unordnung zu gerathen schien, rückte der preuß. linke unter General Manteuffel zum Angriff vor, warf zwei russ. Treffen, gab aber durch zu hitziges Vordringen seine linke Flanke bloß und wurde nun sammt den vom General v. Kanitz zu seinem Beistande herangeführten sieben Bataillonen, von der russ. Reiterei zurückgetrieben. Diese machte jedoch bald Halt und überließ der russ. Infanterie die Verfolgung der Preußen um so mehr, als General Seydlitz mit 30 Schwadronen in der Nähe stand und nur von einem sumpfigen Wiesengrunde gehindert war, der preuß. Infanterie sogleich zu Hülfe zu kommen. Sobald jetzt einige Übergänge für seine Reiter gefunden waren, griff er die russ. Reiterei und auch die verfolgende Infanterie an. Jene ward in die Flucht geschlagen, das russ. Fußvolk aber nur nach hartnäckiger Gegenwehr überwunden und dadurch Mittag gegen ein Uhr der ganze rechte Flügel der Russen überwältigt. Ihr Centrum und linker Flügel standen aber noch unversehrt und erst, nachdem die Preußen ihre Schlachtordnung hergestellt hatten, griff der preuß. rechte Flügel an, dessen Infanterie aber von großen Schwärmen Kosacken zurückgetrieben wurde, die selbst eine Batterie von zehn Zwölfpfündern wegnahmen, welche jedoch von den Preußen bald wieder erobert wurde. Der von Seydlitz mit 7000 M. Reiterei ausgeführte Angriff entschied hierauf den Kampf, indem diese Reitermasse zwar vom russ. Geschütz anfänglich viel litt, allein doch Alles vor sich niederwarf. Der König rückte mit der Infanterie im Sturmschritte nach, der Kampf gegen einzelne sich vereinigende Haufen Russen und Mann gegen Mann dauerte jedoch bis in die Nacht mit unerhörter Hartnäckigkeit fort. Beide Heere brachten die Nacht in großer Nähe unter den Waffen zu und am 26. blieb es bei einer kurzen Kanonade, da es beiden Theilen an Munition fehlte, das preuß. Heer aber völlig erschöpft war. Abends gingen die Russen eine Stunde weit bis Klein. Kamin zurück, wo sie sich verschanzten und erst am 31. Aug. nach Pommern abzogen, wo dann die Preußen sich nach Sachsen wendeten. Die Russen hatten 15,000 Todte und 11,000 Verwundete, 103 Kanonen, 27 Fahnen, 2800 Gefangene [812] verloren; der preuß. Verlust war 3680 Todte, 6200 Verwundete, 1500 Vermißte und 26 Kanonen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 812-813.
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