Epische Poesie

[522] Epische Poesie, Dichtungsart, welche Begebenheiten als vergangen erzählend darstellt. Hauptgattung das eigentliche Epos, die Epopöe, das Heldengedicht, die einheitliche Darstellung einer um einen Mittelpunkt gruppierten Folge bedeutsamer Ereignisse, zerfallend in das aus der zusammenfassenden Bearbeitung einzelner Volkslieder hervorgehende, in der nationalen Heldensage wurzelnde Volksepos (Homers »Ilias« und »Odyssee«, das »Nibelungenlied«) und das von einem einzelnen Dichter geschaffene Kunstepos (Virgils »Äneis«, Wolframs »Parzival«); innerhalb des letztern unterscheidet man ferner das historische (Linggs »Völkerwanderung«), das romantische (Ariosts »Roland«, Wielands »Oberon«), das religiöse (Miltons »Verlorenes Paradies«, Klopstocks »Messias«) das idylische (Goethes »Hermann und Dorothea«, Voß' »Luise«), das satir. und komische Epos (Byrons »Don Juan«) das Tierepos (s. Tiersage). Kleinere Unterarten der E. P.: Ballade, Romanze, Idyll, Fabel, Legende. Zur E. P. gehört auch der Roman und die Novelle, die in neuerer Zeit an die Stelle des Epos getreten sind.

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 522.
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