Holtei, Karl von

[320] Holtei, Karl von, ein beliebter lyrischer und dramatischer Dichter, wurde 1797 in Breslau geb., focht 1815 in den Reihen der Freiwilligen, studirte darauf in Breslau, entsagte aber dem Ernst der Brodwissenschaft und betrat 1819 als Mortimer die Bühne. Bald jedoch verließ er diese und widmete sich nun als dramatischer Dichter derselben. Vermählt mit der liebenswürdigen Schauspielerin Rogée, verließ er Breslau und ging nach Berlin. Hier schrieb er seine »Wiener in Berlin« etc, wodurch er dem deutschen Liederspiele eine neue Richtung gab. Ein frühzeitiger Tod raubte ihm die liebenswürdigste aller Frauen; Zeichen seines tiefgefühlten Schmerzes sind die Gedichte unter dem Titel: »Blumen auf das Grab der Schauspielerin Holtei etc.« – Später schloß er sich dem königl. Theater an und wirkte in dessen blühender Periode vielfältig als dramatischer Dichter. In jenen Zeitraum fallen mehrere seiner bessern Stücke: die Sterne, Johannes Faust, Robert der Teufel, der alte Feldherr, Erinnerung und seine Lenore. 1830 heirathete er seine zweite Gattin, geb. Holzbecher, und ging mit ihr nach Darmstadt, wo er Regisseur wurde. 1831 nahm seine Gattin ein abermaliges Engagement in Berlin an. In diesen Zeitabschnitt fallen seine weitern dramatischen Schöpfungen: »das Trauerspiel in Berlin,« »Hans Jürge« und »Lorbeerbaum und Bettelstab.« In den letztgenannten Stücken betrat er, gekräftigt durch vielfache Vorstudien und Anschauungen, wieder die Bühne und erwarb sich die ehrendste Anerkennung, welche ihm auch bei seinen Gastspielen in Hamburg, Leipzig, Breslau und später in Wien zu Theil wurde. Holtei spielte von da an nur in seinen eigenen Stücken, deren befähigtester Repräsentant er auch ist. Seit 1834 ist H. mit seiner Gattin in Wien am Josephstädter Theater engagirt, und hat in letzterer Zeit manches Ansprechende geliefert. Viele seiner lyrischen [320] Gedichte sind unter dem Titel »deutsche Lieder« gesammelt erschienen. Ausgezeichnet ist H. noch als dramatischer Vorleser.

–n.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 320-321.
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