Hugo, Victor

[346] Hugo, Victor, Victor, das Haupt der romantischen Schule, einer der genialsten Dichter Frankreichs, dessen herrliche Werke in der französischen Poesie eine neue Aera begonnen haben, wurde am 26. Febr. 1892 geb., kräftigte seine Jugend unter Hesperiens azurnem Himmel, seine Phantasie an den äußerlichen Bildern der Schönheit und Größe, seinen Geist an Tacitus Schilderungen. Seine ersten Gedichte wurden, als er kaum 15 Jahr alt war, von der Akademie ehrenvoll erwähnt und 1820 ertheilte ihm die Académie des jeux floraux für das Gedicht: »Moses am Nil« die Meisterwürde. Die höchste Meisterschaft der Sprache, eine lakonische Kürze und Bestimmtheit des Ausdrucks, wie der Bilder, die durch Neuheit und Farbenpracht, Reichthum und Wahrheit entzücken, charakterisiren alle seine Schöpfungen. »Bug Jargal, »le dernier jour d'un Condamné« und die unvergleichliche »Notre Dame de Paris, « Hugo's größtes Werk, folgten bewundernswerth schnell. Sanften Blumen ähnlich wechseln mit den genannten Romanen die »Odes et Ballades«, »Orientale« und Feuilles d'Automne.« Am meisten aber verdienen des Dichters dramatische Leistungen Anerkennung. »Cromwell,« »Hernani,« »Marion Delorme, « »Le roi s'amuse« sind Meisterwerke. Künstlerischer vollendet noch sind die neuesten: »Lucrèce Borgia,« »Marie Tudor« und »Angelo.« Victor Hugo's lyrische Schöpfungen gehören zu den herrlichsten der Zeit, und seine Vollendung der Sprache bewährt sich, wie in den heißen Klagen der Liebe, so in den Ausbrüchen der abnormsten Leidenschaft. Er ist einer der liebenswürdigsten und als Gatte einer der glücklichsten Menschen.

T.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 346.
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