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[62] Page. Der noch heute an mehreren fürstlichen Höfen übliche Gebrauch, den Dienst in unmittelbarer Nähe fürstlicher Personen durch junge Söhne vom Adel verrichten zu lassen, schreibt sich zunächst aus dem ritterlichen Mittelalter, wo der Pagendienst die eigentliche Pflanzschule für den Adel war, und wo jeder Ritter, je nachdem er Macht und Ansehen besaß, sich eine Anzahl Pagen hielt. Man verwandte sie zum Dienste bei den Frauen, um Sitte, Zucht, Anstand zu lernen; sie begleiteten den Herrn, um in allen ritterlichen Künsten erfahren zu werden, und war er endlich tüchtig und kräftig mit in den Krieg zu ziehen, und hatte sich dabei ausgezeichnet, so empfing er den Ritterschlag. Allein schon die reichen Römer hatten, wie noch jetzt die vornehmen Türken und Orientalen, ganze Schaaren schöner Knaben unter dem Namen Pandagogia oder Pagen, zum Ganymedesdienst bei Tisch und Bette. Sie standen unter gemeinschaftlicher Aufsicht einiger alten Sclaven oder Pädagogen. Ihre Kleidung war äußerst prachtvoll und leichtfertig[63] aufgeschürzt. Wenn die Herrschaften auf's Land gingen, wurden sie zu Wagen nachgeführt, und trugen, um ihren zarten Teint zu bewahren, eine Maske aus angefeuchteter Brodkrume über dem Gesichte.

4.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 62-63.
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