Zähne

[475] Zähne. Schöne und gesunde Z. sind bei unserer Lebensweise nicht gar häufig und doch bilden sie ohne Frage die herrlichste Zierde des Mundes. Zunächst bestimmt die Nahrungsmittel zu fassen, zu zertheilen und zu zermalmen, erscheinen sie beim Kinde vom 6–9. Monate nach der Geburt und zwar zuerst die 8 Schneidezähne (4 oben und 4 unten), dann die 4 Eckzähne (2 oben und 2 unten, die Schneidez. umgebend) und endlich nach Verlauf von 2–3 Jahren 8 Backenzähne (4 oben und 4 unten). Diese 20 Z., gewöhnlich die Milchzähne genannt, fallen vom 6–10. Jahre aus und werden durch neue ersetzt; zugleich brechen nach und nach 8 neue Backenzähne durch; den Beschluß machen zwischen[475] dem 18–30. Jahre noch 4 Backenz. (auch Weisheitszähne, so daß der erwachsene Mensch 8 Schneide-, 4 Eck- und 20 Backenzähne besitzt. Ihr zweiter Zweck ist die Articulation der Töne zu erleichtern, wie denn auch manches Wort bei mangelnden Z. gar nicht deutlich ausgesprochen werden kann. Zu kalte und zu heiße Getränke oder Speisen, zu plötzlicher Wechsel der Temperatur, das Zerbeißen zu harter Gegenstande etc. zerstören den weißen Schmelz (d. h. die harte, kalkartige Haut) der Z. und bereiten so die unzähligen Zahnübel vor. Mehr oder weniger erzeugt sich im Munde durch die Speisen etc. Schleim und setzt sich an den Z. fest; wird er nicht täglich (mittelst einer Bürste, Wassers und einfachem Zahnpulver) entfernt, so bildet sich Weinstein, welcher die Zähne und das Zahnfleisch ruinirt, üblen Geruch hervorbringt und nur durch zeitig gebrauchte Hilfe eines geschickten Z.-Arztes fortzuschaffen ist. Nie bediene man sich scharfer, Säuren enthaltender Zahntinctur, eben so wenig Zahnstocher von Metall. – Schon die Römerinnen ließen ihre Zahnlücken durch falsche Z., die durch Silber oder Golddraht befestigt wurden, ausfüllen; jetzt hat man deren von Kuh- und Elephantenzähnen, und neuerdings von Porzellan, obgleich über die Zweckmäßigkeit der letzteren noch nicht abgeurtheilt ist. Auch das Kauen der Mastixkörner war schon bei jenen gebräuchlich; früh, wenn die Domina sich erhoben, reichte ihr die Sclavin das Becken mit dem kostbaren Harze, und erst nachdem durch dessen Gebrauch der wohlriechendste Athem sich erzeugt hatte, pflegte sie das Morgenbrod zu verzehren. – Die Tunkinesen und Siamesen färben sich durch Betelkauen und einen Firniß die Zähne schwarz, und enthalten sich, damit der Lack nicht abgehe, einige Tage alles Essens; in Japan unterscheiden sich die Frauen von den Unverheiratheten durch schwarzgefärbte Z. Grüne und rothe Z. gefallen den Bewohnern von Makassar, ja die dortigen Großen tragen sie sogar von Gold oder Silber. Auch die Tataren in Kardan überziehen ihre Zähne mit kl. Golddplatten und die Javanesen schleifen sie mittels eines Metzsteines gleich und glatt.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 475-476.
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